Ein Mensch, der den Worten Widerstand, Erinnerung und Versöhnung heute ein einprägsames Gesicht gibt, ist Władysław Bartoszewski (1922 – 2015). In Bartoszewskis Biografie spiegeln sich Schattenseiten und Hoffnungsschimmer der miteinander verwobenen deutsch-polnisch-jüdischen Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert wider.

„Dass ich am Leben geblieben bin – trotz Auschwitz und Warschauer Untergrund – hat mich intellektuell und moralisch verpflichtet, Zeugnis über die Fakten abzulegen. Das dachte ich nach dem Krieg und das denke ich bis heute“, wird Bartoszewski aus dem Jahr 2010 zitiert. Zeugnis liefert nun auch eine Wanderausstellung, die im Sommer 2017 dank der Unterstützung der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit ins Deutsche übersetzt und der Bartoszewski-Initiative unter dem Dach der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin zur Verfügung gestellt wurde. Sie ist aktuell in der Kreisverwaltung – Homburg ist mittlerweile die neunte Station – zu sehen. Die Ausstellung widmet sich dem Lebenswerk von Władysław Bartoszewski und ist in die drei zusammenhängenden Themenbereiche Widerstand, Erinnerung und Versöhnung gegliedert. Sie erzählt vom Widerstand des frei denkenden Menschen gegen jede Form von Unterdrückung, sie erinnert an die Opfer von Verfolgung, und sie zeigt, wo Versöhnung trotz vergangenen Leids möglich ist.

Bartoszewski bei einer Buchpräsentation im Jahre 2005 – Foto: Mariusz Kubik (CC BY 4.0)

Es lag nahe, diese besondere Ausstellung im Rahmen der 28. Jahrestagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Homburg zu präsentieren. Zur Vernissage am Vorabend der Tagung konnte Landrat Dr. Theophil Gallo, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar, zahlreiche Gäste begrüßen. Unter ihnen befanden sich Jacek Karnowski, Stadtpräsident von Sopot und ein Freund Bartoszewskis, Christian Schröter, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin, Marcin Barcz, der Kurator der Ausstellung sowie Anita Baranowska-Koch, Gründerin der Bartoszewski-Initiative.
„Die gegenseitige Achtsamkeit und damit die Beachtung und Anerkennung der Lebensleistung eines Menschen wie Władysław Bartoszewski, für den die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland über allem stand, kann nicht genügend betont und immer wieder herausgestellt werden. Sein Wirken ist friedensstiftend und sollte für uns alle prägend und Vorbild sein“, sagte der Landrat in seiner Begrüßung.

Nach den Grußworten auch von Jacek Karnowski gab Martin Barcz eine Einführung in die Lebensstationen des großen polnischen Politikers Władysław Bartoszewski.
Dr. Ilona Czechowska von der Europa-Universität Viadrina von der dortigen Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv sowie Dr. Małgorzata Preisner-Stokłosa von der Ossolinski-Nationalbibliothek aus Wrocław (Breslau) stellten anschließend eine Ergänzung der Ausstellung vor, den „Kulturdialog Karl Dedecius & Władysław Bartoszewski“. Darin wird über die Beziehungen von Bartoszewski zu dem Übersetzer und Gründer des Deutschen Polen-Instituts, Karl Dedecius, berichtet. Abschließend sprach Anita Baranowska-Koch allen an der Ausstellung Beteiligten ihren Dank und ihre Anerkennung aus.
Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten Hans und Daniel Bollinger – Vater und Sohn – an der Gitarre und an der Klarinette.

Die Ausstellungstafeln können bis zum 15. November in der 2. Etage der Kreisverwaltung besichtigt werden: von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16.30 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr. Die Texte der Bartoszewski-Ausstellung sind in polnischer Sprache und werden durch Übersetzungstafeln auf Deutsch ergänzt. Der „Kulturdialog Bartoszewski –Dedecius“ ist komplett zweisprachig abgefasst. Das Projekt wird gefördert durch „Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)“.

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