Wie wurde in früheren Jahrhunderten geboren, wer half dabei – und welche Risiken brachte das für alle Beteiligten mit sich? Ein Themenabend in Homburg nimmt diese Fragen in den Blick und verbindet Film und Wissenschaft. Im Mittelpunkt stehen Hebammen, Alltagsbräuche und der Umgang mit Gefahr und Schmerz in der frühen Neuzeit.
Das Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises lädt am Dienstag, 3. Februar, um 17 Uhr zu einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Titel „Reine Frauensache?! Geburtshilfe in der Frühen Neuzeit“ ein. Der Abend findet im Rahmen des LEADER-Projekts „Frauenspuren im Saarpfalz-Kreis“ statt und richtet sich an alle, die sich für historische Frauengeschichte, Medizin- und Alltagsgeschichte interessieren. Veranstaltungsort ist das Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises am Scheffelplatz 1 in Homburg.
Zum Einstieg wird der Film „Ein Tag in Köln 1629“ gezeigt. Die Produktion aus der ZDF-Reihe „Terra X“ erzählt in Spielszenen vom Leben einer Hebamme, die der Hexerei beschuldigt wird. Der Film macht sichtbar, unter welchen sozialen und rechtlichen Bedingungen Hebammen in der frühen Neuzeit arbeiteten und wie schnell berufliche Praxis mit Aberglauben und Verfolgung in Verbindung gebracht werden konnte.
Im Anschluss spricht die Historikerin Prof. Dr. Eva Labouvie zum Thema „Hebammen und weibliche Kultur um die Geburt im Saar-Lor-Lux-Raum (16.-19. Jahrhundert)“. Der Vortrag stützt sich auf historische Originalquellen aus dem Saarraum und den angrenzenden Regionen und zeichnet nach, wie sich Gebären und Geburtshilfe über vier Jahrhunderte verändert haben. Dabei geht es um die Rolle der Hebammen und ihr Wissen, um Hebammenwahlen durch Dorffrauen, um Geburten im ländlichen Raum und um den Umgang mit Schmerzen sowie der ständigen Gefahr für Leib und Leben.
Labouvie nimmt außerdem Alltagsbräuche rund um Gebären, Mutterschaft und Taufe in den Blick. Dazu zählen Formen weiblicher Hilfskultur, bei denen Frauen einander unterstützten, ebenso wie Festkultur im Umfeld von Geburt und Familienzuwachs. Die Referentin stammt aus dem Saarland, hat zur Geschichte von Hexerei und Aberglauben promoviert und sich im Rahmen ihrer Habilitation mit Geburt und weiblicher Kultur beschäftigt. Seit 2002 hatte sie einen Lehrstuhl an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg inne. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Frauengeschichte veröffentlicht, engagiert sich in verschiedenen Gremien zu Gender Studies und gehört der saarländischen Kommission für Landesgeschichte an.
Nach dem Vortrag ist ein Umtrunk geplant, bei dem Raum für Diskussion und fachlichen Austausch bleibt. Die Teilnahme an dem Themenabend ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Nähere Informationen und Anmeldungen nimmt das Frauenbüro des Saarpfalz-Kreises entgegen, Scheffelplatz 1, Homburg, Tel. (06841) 104-7138, E-Mail: frauenbuero [at] saarpfalz-kreis.de.






















