Die Protestantische Stadtkirche in Homburg.
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Wenn Zeitzeugen seltener werden, übernehmen junge Menschen ihre Stimme. Genau diesen Gedanken stellt die Stadt Homburg in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht. Am Montag, 9. November, lädt die Kreisstadt gemeinsam mit den christlichen Kirchen um 16 Uhr in die protestantische Stadtkirche in der Kirchenstraße ein.

Das Datum erinnert an einen der dunkelsten Momente der deutschen Geschichte. In der Nacht vom 9. November 1938 brannten überall im Land Synagogen, Geschäfte und Wohnungen jüdischer Familien wurden geplündert und zerstört. Menschen wurden misshandelt, verschleppt und ermordet. Die Pogrome markierten eine entscheidende Eskalation auf dem Weg zum systematischen Völkermord, dem während des Holocaust sechs Millionen Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen. Auch in Homburg lebten Familien, die Verfolgung und Entrechtung erlitten.

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Das gemeinsame Erinnern will diese Verbrechen wachhalten und zugleich ein klares Signal gegen Antisemitismus und Rassismus setzen. Angesprochen sind alle, die sich einer offenen und demokratischen Gesellschaft verpflichtet fühlen und bereit sind, dafür einzustehen.

Den Schwerpunkt bildet in diesem Jahr eine Lesung aus dem Band „Der papierne Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher“. Herausgeber Wolf Kaiser hat darin Tagebucheinträge zusammengetragen, die auf der Flucht, in Verstecken, in Ghettos und in Lagern entstanden sind. Erstmals wurden sie ins Deutsche übertragen. Weil lebende Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kaum noch zur Verfügung stehen, lesen Homburger Schülerinnen und Schüler die Texte stellvertretend für die Verfolgten und Ermordeten.

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So sollen die Erfahrungen junger Verfasserinnen und Verfasser greifbar werden, die der tödlichen Bedrohung mit erstaunlichem Mut begegneten. Gerade jüngeren Generationen will die Lesung einen Zugang zur Geschichte des Holocaust eröffnen und das Erinnern vor dem Vergessen bewahren.

An der Gestaltung wirken Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Saarpfalz-Gymnasiums mit. Der Chor der Schule steuert musikalische Beiträge bei, auch die Konfirmandengruppe der protestantischen Kirchengemeinde beteiligt sich. Ausgerichtet wird die Veranstaltung gemeinsam von den christlichen Kirchen, dem städtischen Kinder- und Jugendbüro und dem Stadtarchiv.

Nach der Feier in der Stadtkirche ziehen die Teilnehmenden schweigend zur Ruine der ehemaligen Synagoge in der Klosterstraße. Dort spricht Nathalie Kroj, städtische Beigeordnete für Jugend, Nachhaltigkeit und Tierschutz. Bereits im Laufe des Tages ist der Ort für ein stilles, persönliches Gedenken geöffnet.

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