Keine Frage: in den sozialen Medien braucht man ein dickes Fell wenn es um Kritik geht. Insbesondere die Berichterstattung im Vorfeld des „Verkaufsoffenen Feiertags“ sorgte für regen Diskussionsbetrieb auf Facebook. Dabei muss man solche Tage nicht grundsätzlich gut finden, sollte aber mit Bedacht argumentieren. Denn auch heute wird weiter fleißig diskutiert und gestritten…

Ein Kommentar von Daniel Keller

Daniel Keller – HOMBURG1

Warum eigentlich? Mariä Himmelfahrt ist ein katholischer Feiertag, bei dem nur im Saarland und in einigen Städten und Gemeinden Bayerns die Arbeit ruht. An diesem Tage feiern die Katholiken das Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Immerhin ist das Saarland mit 56,8 % das einzige Land mit einer katholischer Bevölkerungsmehrheit. Also durchaus nachvollziehbar, wenn die Gläubigen den gestrigen verkaufsoffenen Tag mit kritischen Augen sehen. In Rheinland-Pfalz mussten die Katholiken (immerhin 41,0% der Bevölkerung) in den Nachbargemeinden übrigens gestern den „Saarlandtag“ zelebrieren. Boykottaufrufe und ein kollektiver Aufschrei in den sozialen Medien über diesen Umstand fand in der Vergangenheit und auch dieses Jahr nicht statt. 

Doch wie gläubig ist das Saarland? Die Kirchen haben landauf landab mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen. Mittlerweile müssen die Messen am Sonntag zentralisiert werden, damit überhaupt ein paar Seelen den Weg in die Gotteshäuser finden. Immerhin: Auf dem Marktplatz fand ein ökumenischer Gottesdienst statt, der auch gut besucht war und abseits alter Traditionen sehr modern mit Musik geführt wurde. Sicherlich ein „Event“, dass noch mehr Zuspruch verdient. Doch unsere Gesellschaft ist (leider?) mittlerweile meilenweit davon entfernt, die christlichen Feiertage zur Pflege und Wahrung des persönlichen Glaubens zu nutzen. Vielmehr freuen wir uns, in einer sicherlich hektischen Zeit nicht „auf die Arbeit zu müssen“.

Der Homburger Einzelhandel hat sich nun dazu entschieden, am gestrigen Mariä Himmelfahrt die Geschäfte zu öffnen. Dafür wurde ausdrücklich ein verkaufsoffener Sonntag gestrichen. Also bei der Arbeitszeit für die Einzelhändler und Verkäuferinnen und Verkäufer ein Nullsummenspiel, auch wenn sicherlich einige Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Geschäftsinhaber den Tag anderweitig hätten nutzen können. Doch neben den offenen Geschäften wurde zusätzlich ein Rahmenprogramm geboten, dass sicherlich, wenn schon nicht für den Glauben, dann doch für die Laune und die Familie einen Mehrwert hatte. Dazu konnte sich die Kreisstadt auch auswärtigen Besuchern farbenfroh und mit viel guter Laune präsentieren. In Zeiten von Onlineshopping sicherlich ein positives Alleinstellungsmerkmal für den lokalen Handel. 

Man sollte ehrlich bleiben: Die wenigsten Homburgerinnen und Homburger dürften gestern den Tag für den Besuch einer Kirche – und damit das Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel – genutzt haben. Für die meisten von uns ist es kein „Feiertag“ sondern schlichtweg ein „Freitag“, ein Arbeitstag, an dem wir nicht auf die Arbeit müssen. Tausende Menschen in der Pflege, dem Gesundheitswesen, der Gastronomie, der Industrie, der Bahn, Tankstellen und Co. mussten das! Und das meistens 365 Tage im Jahr. Bei vielen dieser Berufe wusste man natürlich schon vor Jahren, dass man durch Schichten an seinen Arbeitsplatz gerufen wird, wenn andere frei haben. Übrigens: auch im Einzelhandel sind verkaufsoffene Tage keine Erfindung der 2000er Jahre, sondern schon seit 1956 möglich.

Nein, man muss den gestrigen „Verkaufsoffenen Feiertag“ nicht gut finden. Dann sollte man aber sagen, dass es einfach um einen „Frei-tag“ geht.

Diskutiert in den Kommentaren! Seht ihr solche Tage als „Frei-Tag“ oder als „Feiertag“?

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