Foto: Jan Kronauer
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Wer im saarländischen Handwerk arbeitet, zahlt einen gesundheitlichen Preis: Rückenschmerzen, Atemwegserkrankungen und zunehmend auch psychische Belastungen prägen den Alltag vieler Beschäftigter. Eine aktuelle Versichertenauswertung der IKK Südwest legt nun offen, wie hoch dieser Preis tatsächlich ist. Als Reaktion darauf loben die Krankenkasse und die Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) erstmals den „Gesundheitspreis des saarländischen Handwerks“ aus – und suchen Betriebe, die sich für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter starkmachen.

Die Zahlen liefern die Begründung gleich mit. Der Krankenstand im saarländischen Handwerk lag 2025 unter den IKK-Versicherten bei 8,92 Prozent und damit spürbar über dem ohnehin hohen Durchschnitt von 7,91 Prozent aller im Saarland versicherten Beschäftigten. Handwerkerinnen und Handwerker fehlten im Schnitt an 28,48 Tagen, während es über alle Versicherten hinweg 26,01 Tage waren. Rund zweieinhalb zusätzliche Krankheitstage pro Kopf und Jahr – ein deutlicher Unterschied.

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Bemerkenswert ist, dass Gesundheit im Handwerk längst nicht mehr allein eine Frage der körperlichen Belastung ist. Zwar bilden Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 25,1 Prozent den größten Block, gefolgt von Atemwegserkrankungen mit 14,6 Prozent. Doch psychische Erkrankungen rangieren mit 13,6 Prozent bereits auf dem dritten Platz – ein Wandel, der die gesamte Arbeitswelt erfasst.

„Im Handwerk gibt es einen besonderen Handlungsbedarf, denn der Krankenstand unter den Handwerkerinnen und Handwerkern ist vergleichsweise hoch“, sagt Prof. Dr. Jörg Loth, Chef der IKK Südwest. Er plädiert für ein Umdenken: „Unser Gesundheitswesen darf sich nicht darauf beschränken, Krankheit zu reparieren. Wir müssen viel stärker darin werden, Gesundheit zu erhalten und Krankheit zu vermeiden.“ Prävention müsse die Menschen dort erreichen, wo sie einen großen Teil ihres Lebens verbringen: am Arbeitsplatz.

Besonders schwer wiegen dabei die langen Erkrankungen. Über die Hälfte des Krankenstands – 50,34 Prozent – entfällt im saarländischen Handwerk auf Langzeitfälle von 91 Tagen und mehr; in den übrigen Berufsgattungen sind es 46,15 Prozent. Gerade kleine Betriebe trifft ein solcher Ausfall hart. Für Loth ist Prävention deshalb nicht nur eine gesundheitspolitische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage. Jedes Investment in Gesundheitsförderung sei zugleich ein Investment in Leistungsfähigkeit und Fachkräftebindung. Sein Appell: Es brauche nicht sofort das umfassende Konzept, entscheidend sei, überhaupt anzufangen.

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Genau hier setzt der neue Preis an. Bewerben dürfen sich ausdrücklich nicht nur Betriebe mit etabliertem Gesundheitsmanagement, sondern auch solche, die mit einzelnen Maßnahmen oder ersten Ideen starten. „Gesunde Fachkräfte sind für unser Handwerk das höchste Gut“, betont HWK-Präsident Helmut Zimmer. Kleine und mittlere Betriebe hätten nicht dieselben Möglichkeiten wie Großkonzerne – umso mehr verdiene ihr Engagement Wertschätzung.

Die Schirmherrschaft übernimmt Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. „Wer gute Fachkräfte gewinnen und halten will, muss auch für gute und gesunde Arbeitsbedingungen sorgen“, so Rehlinger. Der Jury gehören unter anderem Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung und Wirtschaftsminister Jürgen Barke an, ergänzt durch Fachleute aus Handwerk und Gesundheit.

Bewerben können sich ab sofort bis zum 20. November alle Handwerksbetriebe mit Sitz im Saarland, unabhängig von Gewerk und Größe. Die Siegerbetriebe erhalten eine Fördersumme sowie eine professionelle Begleitung bei künftigen Maßnahmen. Verliehen wird die Auszeichnung im März 2027. Weitere Informationen und das Bewerbungsformular gibt es unter www.gesundheitspreis-sl.de.

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