Weltkulturerbe Völklinger Hütte Foto: www.voelklinger-huette.org

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte (WVH) erhält in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld vom Bund. In den Jahren 2021 bis 2025 werden rund 19,5 Millionen Euro zusätzliche Bundesmittel für das WVH zur Verfügung stehen – deutlich mehr als bisher geplant war. Das hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages heute beschlossen, die abschließende Beschlussfassung folgt im Plenum des Parlaments. Für diese historische Mittelerhöhung hat sich Kulturministerin Christine Streichert-Clivot in vielen Gesprächen auf der Bundesebene erfolgreich eingesetzt. 

Christine Streichert-Clivot (SPD)
Foto: Christian Hell / Ministerium für Bildung und Kultur

„Der Bundeszuschuss für das Weltkulturerbe Völklinger Hütte steigt in den kommenden 5 Jahren von bisher 10 Millionen Euro auf nun fast 30 Millionen Euro. Das ist ein Meilenstein für die Weiterentwicklung unseres Weltkulturerbes, aber auch ein guter Tag für die Industriekultur und das Saarland insgesamt. Die Völklinger Hütte hat als Welterbe Strahlkraft weit über die Grenzen unserer Region hinaus. Damit hat sie nicht nur eine enorme kulturelle, sondern auch eine große wirtschaftliche Bedeutung für unser Land“, erklärt Kulturministerin Christine Streichert-Clivot. Anfang Oktober hatte sich Ministerin Streichert-Clivot in Gesprächen mit dem Haushaltsausschuss des Bundestages persönlich für die Aufstockung der Mittel stark gemacht.

Bisher unterstützte der Bund das WVH mit 2 Millionen Euro jährlich. Die Bundeszuschüsse werden nun schrittweise entsprechend der Anmeldung des baulichen Bedarfs aufgestockt; beginnend mit 2,75 Millionen Euro im Jahr 2021 bis auf jeweils mehr als 9 Millionen Euro in den Jahren 2024 und 2025. Mit Hilfe dieser zusätzlichen Bundesmittel können am WVH wichtige Investitionsprojekte umgesetzt werden, die bislang keinem Förderprogramm zugeordnet werden konnten, deren Realisierung jedoch dringend erforderlich ist. Darüber hinaus sind mit der jetzt beschlossenen Regelung auch überjährige Projekte mit Bundesförderung möglich, etwa die vertikale Sanierung der Hochöfen.

„Der Bund hat den Betrieb bereits in der Vergangenheit unterstützt. Nun stehen wir mit Blick auf das kommende Jahrzehnt aber gemeinsam vor den entscheidenden strukturellen und technischen Herausforderungen, die historischen Bauten und Anlagenteile unseres Weltkulturerbes entsprechend der Anforderungen der UNESCO zu erhalten, die Besuchersicherheit zu gewährleisten und das Besuchererlebnis in der Völklinger Hütte weiterzuentwickeln. Mit Dr. Ralf Beil haben wir dafür bereits den richtigen Mann an der Spitze des Weltkulturerbes. Die zusätzlichen Bundesmittel machen jetzt vieles möglich. Allen, die zu diesem großartigen gemeinsamen Erfolg ihren Beitrag geleistet haben, bin ich sehr dankbar“, so Streichert-Clivot.

Dr. Ralf Beil, Generaldirektor WVH: „Dieser Zukunftsentscheid für das Weltkulturerbe löst ein wahres Feuerwerk an Glücksgefühlen aus und ist von größter Tragweite für die Völklinger Hütte. So kann nicht nur die Erstsicherung der Hochöfen realisiert werden: Mit der Ertüchtigung des Kraftwerks I entsteht ein faszinierender Sommer-Schauplatz für Festivals, Konzerte und Kunstinstallationen und zugleich eine dringend notwendige Winter-Bauhalle: Denkmalschutz, künstlerische sowie touristische Anforderungen vereinen sich bei diesem Projekt aufs Beste zum Wohle lebendiger Industriekultur mit Weltgeltung im Saarland. Ein Quantensprung, möglich gemacht durch Bundesgelder: Auch von mir ein herzlicher Dank an alle Beteiligten!“

Der Mittelansatz im Titel 894 16-195 (Zuschuss für Investitionen an das Europäische Zentrum für Kunst und Industriekultur „Weltkulturerbe Völklinger Hütte“) des Bundeshaushaltes wird von 2021 bis 2025 von den ursprünglich geplanten 10 Millionen Euro (2 Millionen Euro pro Jahr auf dem bisherigen Niveau) auf nun insgesamt 29,25 Millionen Euro bis 2025 erhöht.

Jahr Bundesmittel bisher Aufstockung Bundesmittel auf
2021 2 Millionen Euro 2,75 Millionen Euro
2022 2 Millionen Euro 3,5 Millionen Euro
2023 2 Millionen Euro 7,4 Millionen Euro
2024 2 Millionen Euro 9,25 Millionen Euro
2025 2 Millionen Euro 9,1 Millionen Euro

Mit den aufgestockten Bundesmitteln können am WVH in den kommenden 5 Jahren zu den ohnehin geplanten Maßnahmen folgende zusätzliche Maßnahmen realisiert werden.

1.     Kraftwerk I (Erstsicherung)
Das Kraftwerk I ist eine große Maschinenhalle unmittelbar nördlich der Hochofengruppe der Welterbestätte, die 1906-1912 unter Einbeziehung älterer Bauteile errichtet wurde. Sie ist als Denkmal ausgewiesen und integraler Bestandteil des Weltkulturerbe-Perimeters. Es handelt sich um die letzte große Einzelliegenschaft, bei der bislang noch keine Sanierungsmaßnahmeerfolgt ist. Um das Gebäude zu erhalten, sind dringend Sicherungsarbeiten notwendig. Dabei steht zunächst die Wiederherstellung von Dach und Fach des Kraftwerks I im Zentrum. Die Nutzung der Halle kann dann für die nächsten Jahre bei den anstehenden vertikalen Hochofensanierungen als „überdachte Bauhalle“ fungieren und zugleich im Sommer  für weitere Aktivitäten genutzt werden.

2.     Sanierung Hochofen 2 und Hochofen 3
Die vertikale Sanierung der Hochöfen ist ein zentrales Anliegen der Projektplanung für die nächste Dekade. Ausgehend vom Hochofen 6, bei dem bereits in der laufenden Förderperiode mit der umfassenden Instandsetzung begonnen wurde, sollen sukzessive die weiteren Hochöfen nach denkmalpflegerischen Grundsätzen saniert werden.

3.     Science-Center
Am WVH besteht die Möglichkeit, die Science-Center-Idee weiterzuentwickeln. Anders als traditionelle Science-Center, die technische Zusammenhänge in eigens dafür geschaffenen Orten darstellen, besteht in Völklingen die Möglichkeit, viele technische Phänomene am authentischen Ort zu erleben. Mit dem Ferrodrom, das 2008 in einem Teilbereich der Möllerhalle eingerichtet wurde, ist ein Ausgangspunkt vorhanden, an den Science-Center-Projekte im gesamten Freigelände der Völklinger Hütte anknüpfen können.

4.     Trockengasreinigungs-Anlagen
Die Trockengasreinigungs-Anlagen des WVH wurden in den Jahren 2014/15 aus Mitteln des Bundes und des Landes grundlegend in Stand gesetzt. Bei allen drei Anlagen, die zwischen 1913 und 1926 errichtet wurden und den technischen Prozess der Reinigung von Hochofengas in seiner gesamten Bandbreite darstellen, wurden Bereiche aufgrund der begrenzten Mittel bisher von der Sanierung ausgespart. Die Maßnahmen stehen in Zusammenhang mit der Erschließung der Anlagen für Besucher*innen, die zurzeit in der Umsetzung begriffen ist.

5.     Gebläsehalle und Durchgang
Die Gebläsehalle (entstanden zwischen 1900 und 1930) ist mit ihren großen Gasmaschinen eine beeindruckende Industriehalle und stellt das bedeutendste Einzelobjekt des WVH dar. Ihre Lage zwischen dem öffentlichen Straßenraum und dem zentralen Parkplatz ist von besonderer strategischer Bedeutung für die Besucherführung, die an dieser Stelle nachhaltig verbessert werden soll.

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