„Es ist nie zu spät.“ Dieser Satz steht im Zentrum einer Botschaft, die Ulrike Sosalla, stellvertretende Chefredakteurin von Stiftung Warentest Finanzen, Frauen ab 50 zum Weltspartag mit auf den Weg geben möchte. Viele von ihnen hätten sich lange zugunsten der Familie zurückgenommen – und genau jetzt sei der richtige Moment, um die eigenen Finanzen in den Blick zu nehmen.
Denn mit Anfang 50 verändert sich für viele das Leben erneut. Die Kinder ziehen aus, der Ruhestand rückt näher, und nicht selten kommt es in der zweiten Lebenshälfte zu einer Trennung. „Frauen, die zugunsten der Familie zurückgesteckt haben – aber natürlich auch alle anderen – sollten jetzt eine erste Bilanz ziehen und schauen, wo sie nachsteuern können“, rät die Expertin für das Thema Female Finance.
Dass gerade diese Altersgruppe beim Thema Vermögensaufbau oft übersehen wird, sieht Sosalla als eine der größten Hürden. Frauen ab 50 würden als Zielgruppe selten direkt angesprochen und stießen deshalb seltener auf das Thema. Hinzu komme ein strukturelles Problem: Wer während der Familienphase weniger verdient hat, verfügt häufig über geringere Rentenansprüche und ein kleineres Vermögen als gleichaltrige Männer. Umso wichtiger sei es, nicht länger zu warten.
Wie der Einstieg gelingt, beschreibt die Finanzexpertin in überschaubaren Schritten. Zunächst gehe es um eine ehrliche Zwischenbilanz: Vermögen, Schulden und Rentenansprüche gehören auf den Tisch, eine Rentenberatung kann helfen, das Rentenkonto zu klären. Verheiratete sollten auch gemeinsame Kredite, etwa aus einem Hauskauf, mitberücksichtigen. Im zweiten Schritt lohnt der Blick nach vorn – auf die mögliche Rentenlücke und die Frage, was im Fall einer Trennung geschähe.
Danach folgt die Suche nach verlässlichen Informationen. Sosalla verweist dabei auf seriöse Quellen und nennt als Beispiel das sogenannte Pantoffel-Portfolio, ein einfaches Konzept aus zwei Bausteinen. Der letzte Schritt sei schließlich der entscheidende: einfach anfangen. „Nägel mit Köpfen machen und starten“, bringt sie es auf den Punkt.
Bei der konkreten Anlage rät die Expertin dazu, sich nicht zu verzetteln. Weil bis zur Rente nicht mehr viel Zeit bleibt, solle man sich auf eine Sparform festlegen und diese durchhalten. Das Pantoffel-Portfolio sieht vor, die monatliche Sparrate je zur Hälfte in einen ETF-Sparplan und auf ein Tagesgeldkonto zu verteilen – unkompliziert und wirksam. „Geldanlage muss nicht komplex sein“, betont Sosalla. Private Rentenversicherungen lohnten sich ab 50 wegen der hohen Kosten dagegen meist nicht.
Eine Rolle spielt auch das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, das im Januar 2027 starten soll. Wer für die Förderung infrage kommt, könne sie nutzen – Eile sei jedoch nicht geboten, da die Förderung auch im Dezember 2027 noch rückwirkend greife. Stiftung Warentest empfiehlt deshalb, eine Entscheidung zunächst in Ruhe abzuwägen.
Ob Frauen grundsätzlich die besseren Anlegerinnen seien, verneint Sosalla. Allerdings investierten sie oft vorsichtiger und weniger impulsgeleitet als Männer. Das koste zwar kurzfristige Gewinne, zahle sich bei langfristiger Geldanlage aber häufig aus. Von jüngeren Anlegerinnen könnten sie sich dennoch etwas abschauen: den Mut, sich an ETFs heranzutrauen und Online-Broker auszuprobieren – und vor allem die Haltung, einfach loszulegen.




















