Organe im Labor nachbauen, Medikamente gezielter testen und dabei hunderttausende Versuchstiere einsparen – für genau diesen Ansatz hat Mariana da Rocha Soares Guedes den Saarländischen Forschungspreis „Alternativen zu Tierversuchen“ erhalten. Die Doktorandin am Lehrstuhl für Molekulare Pharmakologie der Universität des Saarlandes wurde am 24. April mit dem 10.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet, den das saarländische Umwelt- und das Wissenschaftsministerium bereits zum dritten Mal vergeben.
Die Ehrung fand im Rahmen des „Homburger Kolloquiums – Tierschutz und Versuchstierkunde“ statt, das beide Ministerien gemeinsam mit der Universität des Saarlandes am 23. und 24. April ausrichteten. Die Veranstaltung hat sich als festes Forum für alle etabliert, die an Alternativen zu Tierversuchen arbeiten. Umweltstaatssekretär Sebastian Thul betonte den Stellenwert des Formats: „Nur durch Fortbildung, Kommunikation und Vernetzung erlangen wir Fortschritte im Tierschutz. Deshalb erfüllt es mich mit Stolz, dass wir hier im Saarland mit dem Homburger Kolloquium ein Format etabliert haben, das regelmäßig viele Akteure, die sich mit Tierversuchen und ihren Alternativen beschäftigen, zusammenbringen können.“
Das Verfahren, das Guedes in ihrer prämierten Arbeit vorstellt, geht einen bemerkenswerten Weg: Mit körpereigenem Zellmaterial erkrankter Menschen werden deren Organe im Labor nachgebildet. An diesen Modellen lassen sich anschließend passende Wirkstoffe und die richtige Dosierung ermitteln. Ergänzend fließen digitale Datenbanken ein, die Ergebnisse früherer Tierversuche und Patientenberichte bündeln. Die Forscherin konzentriert sich dabei auf Lunge und Atemwege. Nach ihrer eigenen Schätzung könnte das Verfahren Versuchstiere im sechsstelligen Bereich überflüssig machen.
Wissenschaftsstaatssekretär Wolfgang Förster hob hervor, was solche Ansätze für den Standort bedeuten: „Wenn es gelingt, Krankheiten im Labor so realitätsnah nachzubilden, dass Therapien gezielter und sicherer entwickelt werden, profitieren am Ende die Patientinnen und Patienten – und zugleich werden Tierversuche deutlich reduziert.“ Das sei genau die Art verantwortungsvoller und zukunftsgerichteter Forschung, die das Saarland gezielt fördere. Thul ergänzte, die eingereichten Arbeiten zielten darauf ab, bei notwendigen Versuchen die Lebensqualität von Tieren zu verbessern, die Zahl der Versuche auf ein Minimum zu senken und sie langfristig ganz zu ersetzen. Das sei nicht nur ein moralisches Anliegen, sondern seit vielen Jahren erklärtes Staatsziel der saarländischen Landesregierung.
Der Forschungspreis wird seit 2022 alle zwei Jahre vergeben und richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Einrichtungen und Firmen, die im Saarland tätig sind. Preiswürdig sind Arbeiten, die dem sogenannten 3R-Prinzip folgen – also darauf abzielen, Tierversuche zu verbessern, zu verringern oder vollständig zu ersetzen. Dieses Prinzip geht auf die Forscher Russell und Burch zurück, die es 1959 erstmals formulierten; inzwischen ist es in der europäischen Tierversuchsrichtlinie verankert. Das Preisgeld kann auf bis zu drei Projekte aufgeteilt werden. Die nächste Ausschreibung ist für 2027 geplant, die Vergabe soll 2028 erfolgen.
Stellvertretend für die Preisträgerin nahm Professorin Daniela Yildiz die Auszeichnung bei der Veranstaltung in Homburg entgegen. Dass eine Nachwuchswissenschaftlerin mit einem derart praxisnahen Ansatz überzeugen konnte, unterstreicht, welches Potenzial in der Verbindung von Laborforschung und digitaler Datenanalyse steckt – und wie konkret der Weg weg vom Tierversuch mittlerweile beschritten wird.























