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Schon in der Schule den ersten Handyvertrag verstehen, den Umgang mit dem eigenen Konto üben oder einen Haushaltsplan aufstellen: Im Saarland soll wirtschaftliches Grundwissen fester Bestandteil des Lernalltags werden. Die Landesregierung baut die ökonomische Bildung quer durch alle Schulformen aus – von der Gemeinschaftsschule über das Gymnasium bis hin zur beruflichen Schule und einer neuen Fachoberschule für Steuern und Finanzen.

Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot betont den Anspruch, Unterricht konsequent an der Lebensrealität junger Menschen auszurichten. „Finanzwissen ist Lebenswissen. Wer versteht, wie Wirtschaft funktioniert, kann sein Leben selbstbestimmt gestalten – im Alltag, im Beruf und in unserer Demokratie. Ökonomische Bildung vermittelt nicht nur Zahlen und Begriffe, sondern stärkt Urteilskraft, Verantwortungsbewusstsein und Selbstvertrauen. Sie befähigt junge Menschen, Chancen zu erkennen, Risiken abzuschätzen und mitzugestalten, wie unsere Gesellschaft wirtschaftet und wächst. Deshalb wollen wir ökonomische Bildung nicht als Spezialwissen für wenige verstehen, sondern als Teil einer modernen Allgemeinbildung für alle Kinder und Jugendlichen im Saarland. So machen wir unsere Schulen zu Orten, an denen Zukunftskompetenzen entstehen“, sagte die Ministerin.

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An den Gemeinschaftsschulen ist der Bereich ökonomische Bildung im Zuge der Novellierung der Gemeinschaftsschulverordnung systematisch verankert worden. Grundlage ist das lehrplanergänzende Kompendium „Ökonomische Bildung / Wirtschaft“ für die Klassen 7 bis 10. Es greift Themen wie Finanzen, Haushaltsführung, Verbraucherschutz, Marktordnung und ökonomisches Handeln auf und liefert Lehrkräften konkrete Vorschläge für den Unterricht – etwa im Fach Gesellschaftswissenschaften oder in fächerübergreifenden Projekten. Einige Gemeinschaftsschulen setzen im Profilfach zudem auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und verknüpfen ökologische mit ökonomischen Fragestellungen.

Auch an den Gymnasien spielt wirtschaftliche Bildung von Beginn an eine Rolle. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Inhalte sind ab Klasse 5 in den Fächern Politik und Erdkunde verankert. Im Mathematikunterricht werden etwa Prozent- und Zinsrechnung oder Gleichungssysteme an praxisnahen Finanzbeispielen vermittelt. In der gymnasialen Oberstufe vertieft das Fach Wirtschaftslehre das Wissen zu Finanz- und Wirtschaftsthemen. Ergänzt wird dies durch Schülerbetriebspraktika und Schülerfirmen, in denen Jugendliche wirtschaftliche Abläufe und Entscheidungen unmittelbar erleben.

Berufliche Schulen machen Wirtschaft vor allem über konkrete Lebenssituationen erfahrbar. Dort lernen Jugendliche, wie sich wirtschaftliche Entscheidungen im Alltag auswirken – etwa beim Haushaltsplan, beim Umgang mit Einkommen oder bei Fragen der sozialen Absicherung. Kooperationen mit Partnern aus der Praxis, darunter Sparkassen, Verbraucherzentralen und Kammern, vermitteln anschaulich, wie wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren. Projekte wie „Steuern machen Schule“ oder das Planspiel Börse geben zusätzliche Einblicke in Steuerfragen, Finanzmärkte und betriebswirtschaftliche Abläufe.

Einen besonderen Stellenwert hat die neue Fachoberschule Wirtschaft mit der Fachrichtung Steuern und Finanzen, die in Zusammenarbeit mit dem Ministerium der Finanzen und für Wissenschaft an den Standorten Saarbrücken und Saarlouis aufgebaut wurde. Der Bildungsgang kombiniert umfassende ökonomische Grundlagen mit einem deutlichen Praxisbezug. Die Schülerinnen und Schüler erwerben vertiefte Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Steuerlehre und Finanzdienstleistungen. Neben den saarländischen Finanzämtern sind weitere Partner eingebunden, etwa die Steuerberaterkammer des Saarlandes und der Sparkassenverband. Sie ermöglichen fachbezogene Workshops und stellen zahlreiche Praktikumsplätze bereit. Die neue Fachrichtung führt damit gezielt an zentrale Berufsfelder der Steuer- und Finanzwelt heran und schafft konkrete Perspektiven für ein duales Studium oder eine Ausbildung.

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Finanz- und Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker unterstreicht die Bedeutung dieses Angebots: „Mit der neuen Fachoberschule Steuern und Finanzen schaffen wir ein attraktives und alltagstaugliches Angebot. Wer versteht, wie Steuern funktionieren, wie man ein Budget plant oder welche Rolle der Staat für wirtschaftliche Stabilität spielt, gewinnt nicht nur berufliche Chancen, sondern auch Selbstvertrauen und Orientierung im Alltag. Insgesamt ist unser Ziel, finanzielle und wirtschaftliche Bildung zu einem selbstverständlichen Bestandteil moderner Allgemeinbildung zu machen: praxisnah, alltagsrelevant und für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich“.

Um ökonomische Bildung breit abzusichern, arbeitet das Ministerium für Bildung und Kultur mit zahlreichen Partnern zusammen. Dazu zählen Alwis Saarland e.V., die Deutsche Bundesbank, Sparkassen, Fairtrade-Schools, Schülergenossenschaften, Schule Wirtschaft Saarland, Stiftung Warentest und die Arbeitskammer. Gemeinsam entstehen Workshops, Projekte und Unterrichtsmaterialien zu Budgetplanung, Schuldenmanagement, Altersvorsorge, Verbraucherschutz, nachhaltigem Konsum und digitaler Verbraucherbildung. Praxisnahe Formate wie Planspiele, Schülerfirmen, Projektwochen oder der FREI DAY fördern eigenständiges Handeln. Eine Workshopreihe mit der Verbraucherzentrale befasst sich zusätzlich mit Themen wie Schuldenvermeidung, eigene Wohnung, Risiken im Netz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Lehrkräfte werden durch Fortbildungen des Bildungscampus Saarland unterstützt.

Ein Fokus liegt außerdem darauf, Mädchen und junge Frauen stärker für wirtschaftliche Inhalte zu interessieren. Initiativen wie der Girls’ Day, die Praktikumswoche Saarland sowie Angebote an MINT-freundlichen und digitalen Schulen sollen neue Zugänge eröffnen. Dahinter steht der Ansatz, ökonomische Bildung nicht als Nischenthema zu behandeln, sondern als wichtigen Schlüssel zu Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Teilhabe.

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