Anzeige
Anzeige
Anzeige

Wie viel gesellschaftliche Verantwortung muss der Sport übernehmen? Es gibt viel Kritik am Gastgeberland Katar, an der FIFA und am Deutschen Fußballbund (DFB), dazu das Aus der Nationalmannschaft in der Vorrunde. Keine Frage: Die Begeisterung der Fußballfans in Deutschland ist an einem Tiefpunkt. Prof. Dr. Axel Faix von der Fachhochschule Dortmund hat in Kooperationen mit der Universität Würzburg und der Online-Plattform „FanQ“ die Stimmung der Fußballfans ausgewertet. Er beschreibt eine Spaltung der gesamten Fan-Szene.

55 Prozent der Befragten gaben an, weniger Spiele als bei vergangenen Weltmeisterschaften live verfolgt zu haben. Zugleich haben 23 Prozent genauso viele und 19,4 Prozent sogar mehr Spiele als bei früheren Turnieren gesehen. Und auch wenn zwei Drittel der Befragten weniger Begeisterung verspürten, sprachen immerhin 32 Prozent von ebenso viel oder sogar mehr Begeisterung als bei früheren Weltmeisterschaften. „Die Clusteranalyse zeigt zwei klar trennbare Gruppen von Fans auf, die in etwa gleich groß sind“, sagt Prof. Dr. Axel Faix. „Sie unterscheiden sich primär bezüglich der Anforderungen, die an den DFB sowie die Spieler und ihre gesellschaftspolitische Rolle gestellt werden.“

Während die eine Hälfte eine deutliche Positionierung von Verband und Spielern zu gesellschaftlichen Problemen verlange (Fokus Gesellschaft), dominiere bei der anderen Hälfte das Interesse am Sport (Fokus Fußball). Letztere lehnte Forderungen nach Positionierung (Stichwort: „One-Love“-Binde) deutlich ab. „Im gesellschaftlich fokussierten Cluster sahen die Fans weniger Spiele und die emotionale Begeisterung fiel bei ihnen meist geringer aus“, berichtet Prof. Faix. Negative Einflüsse seien der Umgang mit Menschenrechten in Katar und das Verhalten der FIFA. „Auch im Fußball-fokussierten Cluster ist die Begeisterung der Fans geringer“, sagt Prof. Faix. Sie begründeten dies aber mit der sportlichen Leistung der Nationalelf, der fehlenden Fußballkultur im Gastland sowie dem Turnier-Termin kurz vor Weihnachten. Die Anzahl der verfolgten Spiele sei bei ihnen dennoch ähnlich wie bei früheren Turnieren.

„Unsere Studie zeigt wieder einmal: An der Rolle des Fußballs in der Gesellschaft scheiden sich die Geister“, resümiert Prof. Faix. Für Sponsoren und Werbepartner ein herausforderndes Umfeld. Denn gerade die gesellschaftlich orientierten Fans erwarteten Sponsoren Kritik und gegebenenfalls eine Abgrenzung, so der Wirtschaftswissenschaftler der FH Dortmund. Mit Blick auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland rät er Werbepartnern zu einem Kommunikations-Assessment, um die Wechselwirkungen zwischen den Akteuren zu analysieren. „Denn die EURO 24 wird unter dem Dach der ähnlich schlecht wie die FIFA beleumundeten UEFA ausgetragen“, so Prof. Faix. Auch hier könne ein eher kritisch gestimmtes Umfeld als „Katalysator“ dienen, das Unternehmen etwa bei missliebigen Aktionen der UEFA unter Zugzwang setzt und dem angestrebten positiven Imagetransfer von Sponsoren schadet.

Hintergrund:
Für die Nachbefragung zur Studienreihe WM 2022 hat „FanQ“ vom 5. bis 7. Dezember 2022 mehr als 3.500 Fußballfans in Deutschland befragt. Prof. Dr. Axel Faix vom Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Dortmund und Prof. Dr. Harald Lange vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Würzburg haben an der Studie mitgewirkt.

Originalpublikation: http://www.fanq-app.com/ergebnisse/studien

Anzeige
Vorheriger ArtikelMehr Recycling: Die Menge der verwerteten Verpackungen steigt weiter
Nächster Artikel7.200 Menschen im Saarpfalz-Kreis arbeiten zum Niedriglohn – Inflation trifft Beschäftigte in Gaststätten und Bäckereien „mit voller Wucht“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.