Nach 14 Monaten des Schweigens hat Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) im Streit um die Neunkircher Verkehrsgesellschaft die Richtung gewechselt. Für die FDP Saarland kommt dieser Sinneswandel reichlich spät. Ihre Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter wirft der Regierungschefin vor, erst jetzt tätig zu werden, nachdem die Affäre monatelang vor sich hin geschwelt sei.
Im Zentrum der sogenannten NVG-Affäre steht der Neunkircher Oberbürgermeister Jörg Aumann (SPD), der zugleich dem Aufsichtsrat des kommunalen Verkehrsunternehmens vorsteht. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Druck auf Mitarbeiter, Einflussnahme auf Betriebsratswahlen, illegale Spenden an die SPD, nicht abgerechnete Bustouren sowie Gefälligkeitsfahrten für den Oberbürgermeister bis nach Berlin. Nach Darstellung der FDP haben Gerichtsurteile einen Großteil dieser Punkte inzwischen bestätigt.
Hießerich-Peter erinnert daran, dass ihre Partei bereits vor Monaten Konsequenzen eingefordert habe. Interne Personalwechsel innerhalb der NVG seien aus ihrer Sicht lediglich der Versuch gewesen, die öffentliche Aufregung zu dämpfen. Ein misslungener Versuch, wie sie urteilt. Schon im September 2025 habe sie die entscheidende Frage gestellt: wann sich Aumann endlich zu seiner Verantwortung bekenne und sein Amt zur Verfügung stelle.
Solange aus der von der SPD geführten Staatskanzlei keine klaren Signale kamen, habe die Neunkircher SPD unbeirrt zu ihrem Oberbürgermeister und den handelnden Personen gehalten, so die Darstellung der Liberalen. Bewegung sei erst in die Angelegenheit gekommen, als die Fraktion von FDP und Freien Wählern im Neunkircher Stadtrat einen erneuten Abwahlantrag gegen Aumann ankündigte. Ein erster Vorstoß dieser Art war zuvor mit den Stimmen von SPD und AfD abgelehnt worden.
Erst danach habe Rehlinger eine Vertrauensabstimmung im Stadtrat vorgeschlagen und ein Abwahlverfahren empfohlen. Für die FDP ist der Zeitpunkt kein Zufall. Ohne die bevorstehende Landtagswahl wäre Aumanns politisches Überleben aus Sicht von Hießerich-Peter kaum in Gefahr geraten. Mit Blick auf den kommenden April wolle die Ministerpräsidentin vor allem politischen Ballast abwerfen.
Die Liberalen wollen den Fokus jedoch nicht allein auf den Oberbürgermeister verengt wissen. Hießerich-Peter verweist auf die Rolle von SPD-Landrat Meng, der ebenfalls dem Aufsichtsrat der NVG angehört und den sie als mutmaßlichen Nutznießer einstuft. Der Skandal, so ihr Fazit, sei kein Alleingang Aumanns gewesen, sondern Ausdruck eines systemischen Filzes.



















