„Ein langes Leben für alle“ – unter diesem Motto steht die diesjährige Europäische Impfwoche, die vom 24. bis zum 30. April 2022 stattfindet. Im Fokus steht der umfassende und gleichberechtigte Zugang zu Impfungen. Er trägt nicht nur in der Corona-Pandemie dazu bei, Krankheiten zu verhindern und allen Menschen ein langes und gesundes Leben zu ermöglichen.

Die Geschichte des Impfens begann mit den Pocken. Schon Ende des 18. Jahrhunderts entstand in England die erste Pockenimpfung, doch erst globale Impfkampagnen in den 1960er- und 70er-Jahren schafften das scheinbar Unmögliche: 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pocken weltweit für ausgerottet. Bis dahin hatte die Viruserkrankung über Jahrtausende hinweg zu großen Epidemien geführt. Etwa ein Drittel der Infizierten starb.

Auch Fälle von Polio (Kinderlähmung) konnten seit Entwicklung des Impfstoffs in den 50er-Jahren um 99 Prozent reduziert werden. Solange aber noch Fälle auftreten – heute insbesondere in Afghanistan und Pakistan – bleibt die Impfung von zentraler Bedeutung. Die Europäische Impfwoche findet jedes Jahr im April statt. Um höhere Impfquoten zu erreichen, soll sie Eltern, Angestellte in Gesundheitsberufen, politische Entscheidungsträger sowie die Medien für die Bedeutung von Impfungen sensibilisieren.

Nachholbedarf bei Kindern und Älteren

Impfungen sind eine der wirksamsten Maßnahmen, um ansteckende Krankheiten zu verhindern. Dennoch gibt es in Deutschland weiterhin große Defizite. Kindern fehlt es vor allem an Impfungen gegen Pertussis (Keuchhusten) und Hepatitis B sowie den zweiten Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln. Das hat dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren wieder mehr Menschen an Masern erkrankt sind – obwohl das Virus bei uns fast als ausgerottet galt. Seit dem Frühjahr 2020 gibt es deshalb eine Masern-Impfpflicht für alle Kinder, die einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, sowie für das Personal vor Ort.

Bei der Impfung gegen das Coronavirus ist vor allem die Impflücke bei älteren Menschen ein Problem. Etwa drei Millionen Menschen über 60 sind in Deutschland bislang nicht geimpft. Sie gelten als besonders anfällig für einen schweren Covid-Verlauf. Die Daten zeigen, dass schon die Erstimpfung auch bei der Omikron-Variante vor einer schweren Erkrankung schützt. Die Auffrischungsimpfung verbessert den Schutz noch einmal deutlich.

Impfen schützt uns und andere

Ob bei Masern, Corona oder anderen Infektionskrankheiten – es gilt: Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst (Individualschutz). Indem man durch die Impfung die weitere Verbreitung der Krankheit verringert, schützt man auch diejenigen, die selbst nicht geimpft werden können oder die möglicherweise nicht so gut auf die Impfung ansprechen (Gemeinschaftsschutz).

Gefährdet sind aktuell auch die Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine nach Deutschland geflohen sind. Denn der Impfbetrieb in der Ukraine wurde stark beeinträchtigt. Vielen fehlt nicht nur die Corona-Impfung, sondern zum Beispiel auch der Schutz gegen Diphtherie oder Polio. Da die Geflüchteten zeitweise auf engem Raum zusammenleben, ist ein aktueller Impfschutz für sie unerlässlich. Diese Herausforderungen zeigen, wie wichtig es ist, über Chancen und Risiken aufzuklären und einen allgemeinen Zugang zu Impfungen zu ermöglichen.

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