Verzicht ist zwar angesichts der aktuellen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen in allen Lebensbereichen das Gebot der Stunde, doch gibt es inzwischen viele Enthusiasten, die mit kreativen Ideen dafür sorgen, dass die Kultur wenigstens rudimentär wieder an Fahrt gewinnt. Ihre Motivation erfahren sie aus dem Gespür dafür, dass es die Menschen schlicht und ergreifend nach entsprechenden Angeboten für Geist und Seele dürstet.
Gedruckte Literatur als Teil der Kultur hat in den letzten Jahren trotz unendlich vieler digitaler Zerstreuungsmöglichkeiten wieder an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund wollten weder Ulrich Burger (HomBuch) noch Patricia Hans und Jutta Bohn (Homburger Lesezeit) auf ihre Veranstaltungsreihen verzichten, auch wenn diese im Leseherbst 2020 deutlich abspecken müssen. Burgers inzwischen 10. HomBuch, die bis zum 13. September läuft, ist diesmal keine Buchmesse mit Verlagspräsentationen, dafür ein sattsames Lesefest mit einer Fülle von Autoren. Eben das ist auch das Konzept der von Patricia Hans und Jutta Bohn zum siebten Mal organiserten „Homburger Lesezeit“, die nahtlos an die HomBuch anknüpft und am 15. September im Bistro 1680 am Marktplatz startet.
Bis kurz vor knapp haben Hans und Bohn abgewogen, ob die Lesezeit durchführbar ist. Doch gerade weil Bücher ein probates Mittel sind, sich über das verordnete Aussitzen hinwegzutrösten und durchzumanövrieren, haben beide beschlossen, für Leseratten die erfolgreiche Lesezeit anzubieten. Sieben Veranstaltungen sind im Zeitraum von September bis März 2021 geplant. Geplant bedeutet diesmal, dass die Corona-Entwicklungen die Fragezeichen zu verantworten haben, ob denn alle Veranstaltungen so durchgeführt werden können, wie sie vorgesehen sind. Die Hauptfrage mit der sich Hans und Bohn befassen mussten war die nach der Einhaltung des Mindestabstandes. Im Bistro 1680, das erneut zentraler Ort der „Homburger Lesezeit“ sein wird, ist das zwar zu schaffen, aber nur mit gänzlich geänderter Sitzplatzverteilung und -reduzierung. „Auf Tische müssen wir verzichten, wir können nur 40 Personen zulassen und diese müssen sich vorher telefonisch anmelden. Trotzdem lohnt es sich vorbezukommen, da erfahrungsgemäß immer Interessenten kurzfristig absagen“, so Patricia Hans bei der offiziellen Vorstellung der „Homburger Lesezeit“ im Rathaus.
Dort bedankte sich Bürgermeister Michael Forster dafür, dass die beiden Frauen mit viel Engagement und Energie die Veranstaltungsreihe geplant haben und durchführen wollen. „Die Lesezeit war ja in der Vergangenheit immer ein schöner Übergang vom Musiksommer in das Kulturangebot in den Herbst- und Wintermonaten. Leider konnte in diesem Jahr der Musiksommer nicht stattfinden“, bedauerte Forster. Zu bedenken gab er, dass je nach Entwicklung der Corona-Pandemie, verschärfte Maßnahmen erforderlich werden: „Dann müssen möglicherweise einzelne Veranstaltungen abgesagt werden.“
Die Stadt Homburg hat von Beginn an die Veranstaltungsreihe unterstützt, die in Kooperatrion von Akademie für Ältere und Frauenkulturstammtisch, realisiert wird. Auch diesmal hat sie dafür ein Budget von rund 2.000 Euro zur Verfügung gestellt und trägt die ergänzenden Kosten für erforderliche Technik. Nach den bisherigen Erfahrungen, so der Bürgermeister, habe der Zuspruch aber eindeutig gezeigt, dass man damit auf dem richtigen Weg sei. Es sei auch wichtig, das Lesen allgemein ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. Das Lesen von Büchern müsse hochgefahren werden. Bücher dürften nicht verkümmern, sie seien ein Stück unserer Kultur. Das sieht auch Raimund Konrad, Kulturbeigeordneter der Stadt, genauso: „Uns ist es wichtig, für das Lesen von Büchern zu animieren, gerade in Corona-Zeiten. Schließlich ist Homburg auch sowas wie die Stadt des Buches.“
Bei der Auswahl der Autoren und Vortragenden haben sich Hans und Bohn leiten lassen von dem was zurzeit angesagt ist, von dem, was sie selbst gelesen haben und was Buchhandel und TV-Sendungen empfehlen. Natürlich setzte das Budget enge Grenzen, da die Veranstaltungen kostenfrei besucht werden können. Insofern mussten Hans und Bohn etwa auf Ben Becker wegen dessen Honorarvorstellungen verzichten. Die einzige kostenpflichtige Veranstaltung ist diejenige mit Ilja Richter am 23. Februar im Kulturzentrum Saalbau, wo er Texte von Bodo Kirchhoff liest. Tickets sind für 14 Euro zu haben.
Zum Auftakt der Lesezeit am 15. September konnte die Schauspielerin Maria Bachmann gewonnen werden, die aus ihrem autobiographischen Roman „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast“ liest. Im Oktober trägt Ulrike Wahl-Risser ihre Baumgeschichten vor zu denen ergänzend Ramona Schöndorf Bilder zeigt. Die ZEIT-Journalistin Susanne Mayer und die mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin Ulla Lenze sind die Lesezeit-Autorinnen im Oktober. Michael Schikowski bringt dem Publikum im Dezember die Schriftsstellerin Anna Seghers (Das siebte Kreuz, Transit) näher. Zum Abschluss gibt es im März ein Konzert mit der Familie Bollinger in der Musikschule, die als weitere Lesezeit-Ort gewählt wurde. Mit der Reihe „Lesezeit“, darin sind sich die Organisatoren einig, erfahre die Innenstadt eine spürbare Belebung.
Anmeldungen nimmt Jutta Bohn unter 06841- 9936891 oder 0176-63314299 entgegen.



















