Symbolbild

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert scharf die Entscheidung von Landwirtschaftsminister Özdemir, Agrarumweltstandards der Gemeinsamen Agrarpolitik zum Fruchtwechsel und zu Brachflächen ab 2023 auszusetzen. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband wirft der Bundesregierung vor, gegen den Geist ihres eigenen Koalitionsvertrags zu verstoßen.

In diesem verspricht die Ampelkoalition eine ökologischere Agrarpolitik. Jetzt setzt sie aber das Gegenteil in die Realität um: die Torpedierung des Artenschutzes, obwohl es für die Ernährungssicherung und auch klimapolitisch weit bessere Alternativen gibt, so der Verband. Die DUH fordert, jegliche Förderung für Agrosprit sofort zu beenden und Flächen für die Lebensmittelproduktion umzuwidmen, auf denen aktuell noch Pflanzen für umweltschädliche Agrokraftstoffe oder Futtermittel angebaut werden. Das hätte gleichzeitig einen sehr viel größeren Effekt für die Ernährungssicherung, weil es um vielfach größere Flächen geht.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Eben weil wir die Ernährung von Menschen sichern müssen, dürfen nicht die viel zu wenigen und ertragsschwachen Artenschutzflächen weichen, während wir gleichzeitig immer noch 3,4 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten jedes Jahr in den Tank werfen und 60 Prozent des Getreides in Deutschland für Futtermittel verwenden. Das ist Irrsinn! Damit verstößt die Bundesregierung klar gegen den Geist ihres Koalitionsvertrages, in dem genau Gegenteiliges versprochen wurde. Und sie nimmt mutwillig in Kauf, dass für viele Arten wie etwa für stark bedrohte Feldvögel überlebenswichtige Rückzugsflächen in der intensiv genutzten Agrarlandschaft fehlen. Wir fordern Landwirtschaftsminister Özdemir auf, jetzt tatsächlich etwas für die Ernährungssicherung zu tun und die Agrospritförderung sofort zu stoppen und mit Hilfe der Fleischabgabe zügig auf eine Reduktion der Tierbestände hinzuwirken.“

Eine Reduktion der Tierbestände wirkt sich indirekt positiv auf die Ernährungssicherung aus, weil Futterflächen dann für den Anbau von Grundnahrungsmitteln genutzt werden können. Das Landwirtschaftsministerium verspricht sich von seiner Entscheidung einen Mehrertrag an Lebensmitteln, die betroffenen Flächen sind aber ertragsarm. Der ökologische Schaden und die Zerstörung des Artenreichtums zuzulassen, ist aus Sicht der DUH nicht aufzuwiegen mit dem zu erwartenden geringen Ertrag.

„Das Bundeslandwirtschaftsministerium will, dass auf den freizugebenden Artenschutzflächen nur Lebensmittel angebaut werden sollen. Wie aber will das in Berlin ansässige Bundeslandwirtschaftsministerium überprüfen, ob nicht doch dort angebaute Pflanzen in den Tank oder in den Tiertrog wandern? Das ist kaum zu kontrollieren. Außerdem sind die Flächen zwar artenreich, aber meist sehr arm an Ernteerträgen. Von der Entscheidung profitieren daher wohl kaum die Hungernden, sondern die Pestizidhersteller, für deren Produkte die Anwendungsfläche vergrößert wird“, so Reinhild Benning, Agrar-Expertin der DUH.

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