Symbolbild

Gerade einmal 16 Monate – so lange könnte die deutsche Wirtschaft im Durchschnitt überleben, wenn digitale Technologien aus dem Ausland plötzlich ausblieben. Dieser nüchterne Wert steht im Zentrum einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom, die anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung veröffentlicht wurde. Immerhin: Ein Jahr zuvor lag die Widerstandsfähigkeit noch bei 14 Monaten, die Lage hat sich also leicht verbessert.

Doch die Abhängigkeit bleibt enorm. Praktisch kein Unternehmen kommt ohne Importe aus: 96 Prozent beziehen Geräte oder Dienste aus dem Ausland, sei es bei Smartphones und Notebooks, bei Chips und Sensoren oder bei Cloud-Diensten, Software und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Entsprechend stufen 94 Prozent der befragten Betriebe Deutschland insgesamt als abhängig ein. Zwei Drittel erwarten, dass diese Abhängigkeit in den nächsten fünf Jahren sogar weiter zunimmt.

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Besonders auffällig ist die wachsende Nervosität gegenüber den USA. Machten sich 2024 noch 38 Prozent der Unternehmen Sorgen über die digitale Abhängigkeit vom transatlantischen Partner, sind es inzwischen 73 Prozent. Auch mit Blick auf China ist die Besorgnis gestiegen, von 69 auf 79 Prozent. Dabei zeigt die Umfrage, dass die Verwundbarkeit gegenüber China am größten ist: 61 Prozent der importierenden Betriebe sehen sich dort als sehr abhängig.

Für Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst ist das kein Grund für Abschottung, wohl aber für Kurskorrekturen. „Internationale Arbeitsteilung ist eine Stärke unserer Wirtschaft, aber sie darf nicht dazu führen, dass wir im Krisenfall handlungsunfähig werden“, sagt er. Digitale Souveränität bedeute Resilienz und sei deshalb eine Aufgabe für den gesamten Staat wie für jedes einzelne Unternehmen. „Es geht darum, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren und auf Druck adäquat antworten zu können.“

Ein Ausfall träfe dabei nicht nur die IT-Abteilung, sondern das Herz der Betriebe. 93 Prozent der importierenden Unternehmen rechnen mit Auswirkungen auf ihre Produktion, 91 Prozent auf Vertrieb und Verkauf, 87 Prozent auf Logistik und Lieferketten. „Produktion, Vertrieb und Lieferketten hängen unmittelbar von digitalen Technologien ab“, warnt Wintergerst. Die Unternehmen müssten ihre Abhängigkeiten deshalb systematisch reduzieren und breiter aufstellen.

Viele reagieren bereits. 44 Prozent setzen verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa, 41 Prozent legen größere Vorräte wichtiger Bauteile an, 40 Prozent bereiten sich darauf vor, Anbieter im Ernstfall auszutauschen. Nur drei Prozent haben bislang gar nichts unternommen. Gleichwohl bleibt bei der Auswahl von Partnern der Preis das wichtigste Kriterium – für 97 Prozent zählen die finanziellen Konditionen an erster Stelle.

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Die Grenzen der eigenen Handlungsfähigkeit spüren die Betriebe deutlich. 73 Prozent gehen bei der Verlässlichkeit der Politik am Standort ihrer Partner inzwischen gezwungenermaßen Risiken ein, 2024 waren es nur 53 Prozent. 59 Prozent sehen keine Möglichkeit, sich gegen Druck ausländischer Regierungen zu wehren. Daraus formulieren sie einen klaren Auftrag an die Politik: 97 Prozent fordern mehr Investitionen in Schlüsseltechnologien und eine Stärkung der digitalen Souveränität.

Der Bitkom selbst nennt fünf Prioritäten, von weniger Bürokratie und besserem Kapitalzugang über gezielte Investitionen in Halbleiter, KI und Rechenzentren bis hin zu mehr digitaler Bildung. „Digitale Souveränität ist kein einzelnes Förderprogramm, sondern eine strategische Aufgabe für Deutschland und Europa“, betont Wintergerst. Nur so bleibe man handlungsfähig, „auch dann, wenn wir massiv unter Druck gesetzt werden“. Grundlage der Erkenntnisse ist eine repräsentative Befragung von 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.

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