gray vehicle being fixed inside factory using robot machines
Industrie - Symbolbild

Die deutsche Autoindustrie kämpft gegen eine Krise aus schwächelnder Nachfrage, hartem internationalen Wettbewerb und Stellenabbau – und doch glauben die meisten Menschen in Deutschland fest an ein Comeback. 71 Prozent trauen der Branche zu, zu alter Stärke zurückzufinden. Der Schlüssel dafür liegt aus ihrer Sicht jedoch nicht allein in der klassischen Ingenieurskunst, sondern vor allem in digitalen Innovationen. So das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom, für die 1.003 Personen ab 16 Jahren befragt wurden.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 79 Prozent sind überzeugt, dass die Branche ohne digitale Erneuerung im globalen Wettbewerb nicht bestehen kann. Sieben von zehn Befragten halten Kooperationen mit Tech-Unternehmen für unverzichtbar. Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert bringt die Erwartungshaltung auf den Punkt: „Die deutsche Automobilindustrie steht unter wirtschaftlichem, geopolitischem und technologischem Druck. Digitale Innovationen sind ein wesentlicher Schlüssel, um im Wettbewerb zu bestehen.“ Qualität und handwerkliches Können blieben wichtig, müssten aber konsequent mit moderner Software, KI und autonomen Technologien verknüpft werden.

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Wie sehr sich die Prioritäten der Käuferinnen und Käufer bereits verschoben haben, zeigt ein Blick auf die Kaufkriterien. Für 80 Prozent ist ein Internetzugang im Fahrzeug inzwischen wichtig – 2023 waren es erst 66 Prozent. Damit rangiert Konnektivität mittlerweile klar vor Klassikern wie Design und Marke, die jeweils nur noch 56 Prozent nennen. Auch Fahrassistenzsysteme, die Smartphone-Kompatibilität des Cockpits und Software-Updates per Online-Zugriff stehen hoch im Kurs. An der absoluten Spitze bleibt dennoch die Sicherheit mit 98 Prozent, dicht gefolgt von Verbrauch, Komfort und Anschaffungspreis.

Besonders aufschlussreich ist die Haltung zur Künstlichen Intelligenz hinter dem Steuer. Hier überzeugen vor allem Anwendungen, die schützen: 83 Prozent begrüßen eine KI, die das Auto bei einem erkannten Diebstahlversuch automatisch blockiert. 78 Prozent fänden es gut, wenn das System zur Unfallvermeidung selbstständig eingreift. Bemerkenswert ist, dass sogar eine knappe Mehrheit von 53 Prozent eine KI befürwortet, die bei überhöhter Geschwindigkeit oder riskantem Fahrverhalten aktiv abbremst.

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Den größten Stimmungswandel verzeichnet das autonome Fahren. 69 Prozent gehen inzwischen davon aus, dass selbstfahrende Fahrzeuge künftig Standard sein werden – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 53 Prozent. Umgekehrt hat sich der Anteil der Skeptiker, die darin einen vorübergehenden Hype sehen, binnen eines Jahres von 43 auf 24 Prozent fast halbiert. „Mit ersten praktischen Erfahrungen wächst das Interesse und wird Interesse zu Begeisterung“, beobachtet Rückert. Als Bremse gelten weniger die Technik selbst als vielmehr unsichere rechtliche Rahmenbedingungen, die 63 Prozent als Hürde benennen.

Parallel verändert sich das Mobilitätsverhalten bereits spürbar. Der größte Zuwachs entfällt auf das eigene Fahrrad, das 43 Prozent häufiger nutzen als noch 2024. Verloren haben dagegen das Flugzeug und der eigene Pkw – wobei unter jenen mit rückläufiger Autonutzung satte 78 Prozent die gestiegenen Benzin- und Energiepreise als Grund angeben. Trotz aller offenen Fragen überwiegt der Optimismus: 85 Prozent sehen die Digitalisierung als Chance für die Mobilität. Jetzt, so Rückert, komme es darauf an, Innovationen schneller in die breite Anwendung zu bringen und daraus eine neue Stärke für den Standort Deutschland zu entwickeln.

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