Symbolbild
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Erst wird ein Antrag online gestartet, am Ende landet er doch auf Papier – dieser ständige Wechsel zwischen digital und analog kostet deutsche Unternehmen Zeit, Geld und Nerven. Für drei von vier Firmen ist die digitale Rückständigkeit der zuständigen Ämter inzwischen ein handfester Standortnachteil im internationalen Wettbewerb. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.

„Viele Unternehmen kommunizieren selbst rein digital, müssen speziell für Behörden aber noch analoge Verfahren vorhalten“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Dieses Hin und Her bringe nichts, koste aber doppelt. Die Zahlen untermauern seine Kritik: Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen können mit Behörden durchgängig digital kommunizieren. Bei 60 Prozent halten sich digitale und analoge Wege die Waage, ein Drittel kann immerhin überwiegend per E-Mail oder Webportal verkehren.

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Die größten Reibungspunkte entstehen genau dort, wo die Digitalisierung auf halber Strecke stehen bleibt. 43 Prozent der Unternehmen stört es, dieselben Daten immer wieder neu einreichen zu müssen. Fast ebenso viele beklagen, dass ihre eigene Software und die Verwaltungsplattformen nicht miteinander sprechen. Vollständig digitale Verwaltungsleistungen vermissen 39 Prozent – bei den großen Firmen ab 500 Beschäftigten steigt dieser Wert auf 56 Prozent.

Ganz oben auf der Mängelliste stehen jedoch Wartezeiten auf notwendige Termine und ausufernde Dokumentationspflichten, beide von jeweils 57 Prozent als großes Problem genannt. Dahinter folgt mit 52 Prozent die lange Bearbeitungsdauer. Dass es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Behörden an Kompetenz fehle, kritisieren dagegen nur 18 Prozent. Das eigentliche Ärgernis sind also die Strukturen, nicht die Menschen dahinter.

Welche Bremswirkung die Bürokratie entfaltet, zeigt sich auch im eigenen Haus: 62 Prozent der Unternehmen sehen in ihr einen Klotz am Bein der eigenen Digitalisierung, bei den Großen sind es sogar 71 Prozent. Entsprechend nüchtern fällt das Zeugnis für die Ämter aus. Im Schnitt vergeben die Firmen nur ein mageres „ausreichend“ mit der Note 3,9. Ein Viertel hält den Stand der Behördendigitalisierung sogar für mangelhaft oder ungenügend.

„Die Richtung stimmt“, räumt Wintergerst ein und verweist auf Projekte wie den Deutschland-Stack und die Registermodernisierung. Jetzt komme es auf die Prioritäten bei der Umsetzung in Bund, Ländern und Kommunen an. Zum Jahreswechsel startet mit der EUDI-Wallet unter dem Namen d-you ein digitaler Ausweis für Bürgerinnen und Bürger. Das Gegenstück für die Wirtschaft, die European Business Wallet, soll es Firmen ermöglichen, sich einmal digital auszuweisen und Nachweise sicher zu hinterlegen – statt dieselben Daten immer wieder neu vorzulegen. 84 Prozent der Unternehmen fordern von der Politik, das Thema mit Priorität anzugehen.

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Wie sich die Digitalisierung des öffentlichen Sektors beschleunigen lässt, steht auch im Zentrum der Smart Country Convention, die vom 13. bis 15. Oktober 2026 auf dem Berliner Messegelände stattfindet. Mehr als 23.000 Fachleute aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden erwartet, dazu über 850 Speaker auf sieben Bühnen – unter ihnen Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger und Bitkom-Präsident Wintergerst.

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