Der Windpark "Weiße Trisch" in Homburg ging im Jahr 2017 in Betrieb. - Bild: die filmmanufaktur | Marc André Stiebel

Biosphärenreservate erfüllen generell drei Funktionen: Zum einen den Schutz von Natur- und Kulturlandschaften, zum zweiten umweltgerechtes Wirtschaften und die nachhaltige Entwicklung. Zum dritten den lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Austausch über Pilotprojekte, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Forschung und Monitoring. Das Alleinstellungsmerkmal des Biosphärenreservates Bliesgau für die UNESCO Anerkennung ist die besondere Stadt-Land-Beziehung.

Im Gegensatz etwa zu den Nationalparken, bei denen eindeutig der Schutz der Natur im Vordergrund steht, ist das Aufgabengebiet von Biosphärenreservaten sehr viel weiter gehend. Dieser breite Ansatz findet sich auch in der Satzung des Zweckverbands wieder. Zu den dort genannten Aufgaben gehören demnach die Regionalentwicklung in den Bereichen Infrastruktur, Tourismus, Stadt-Land-Beziehung und Auswirkungen des demografischen Wandels, Bildung und auch das Projektmanagement zur Inwertsetzung der landschaftlichen Potenziale. „Wir verstehen das Biosphärenreservat Bliesgau vor allem als Modellregion für nachhaltige Entwicklung“, so der Verbandsvorsteher Dr. Theophil Gallo. „Dazu gehört selbstverständlich auch nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften und damit auch eine nachhaltige Energieerzeugung.“

Um ihrer komplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden, sehen die Biosphärenreservate eine Zonierung ihres Gebiets vor. Während in den Kern- und Pflegezonen die Schutzziele im Vordergrund stehen, und wirtschaftliche Tätigkeiten komplett ausgeschlossen oder weitgehend eingeschränkt sind, steht in den Entwicklungszonen die nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt. Diese machen im Biosphärenreservat Bliesgau etwa 78 Prozent der Gesamtfläche aus. „Die Entwicklungszone“, so Dr. Gerhard Mörsch, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbands, „bildet die räumliche Grundlage zur Unterstützung einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Betätigung.“ Und eben diese wirtschaftlichen Aktivitäten zur nachhaltigen Entwicklung sind nicht nur möglich, sondern von der UNESCO und dem MAB-Nationalkomitee ausdrücklich gefordert. Einzig und allein in der Entwicklungszone sind auch Anlagen zur Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Energien möglich, während sie in den Kern- und Pflegezonen komplett ausgeschlossen sind.

Klimaschutz hat im Biosphärenreservat Bliesgau einen besonderen Stellenwert: Nicht nur deshalb haben der Zweckverband und die beteiligten Kommunen bereits 2014 weitreichende Klimaschutzziele festgelegt: U.a. sollen bis 2050 die CO2-Emissionen um 95 Prozent zurückgehen. Dies bedeutet, die Energieversorgung bis 2050 komplett auf Erneuerbare Energien umzustellen und die Verbrennung fossiler Energieträger zu beenden. „Hierzu kann die Windenergie auch im Biosphärenreservat Bliesgau einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten“, so der Klimaschutzmanager des Biosphärenreservats, Dr. Hans-Henning Krämer. „Alleine mit Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern werden wir den Energiebedarf, insbesondere auch der Industrie- und Gewerbebetriebe in der Region, nicht decken können.“

Darüber hinaus hat die Verbandsversammlung am 10. September letzten Jahres einstimmig beschlossen, „Klimawandel und Klimaschutz“ als eigenes Aufgabengebiet in die Satzung des Zweckverbands aufzunehmen. Vor diesem Hintergrund begrüßt der Biosphärenzweckverband die Initiative der Stadt Blieskastel, in einem ergebnisoffenen Verfahren unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln zu den Ortschaften und hoher Schutzstandards für Natur- und Artenschutz eine Überarbeitung ihres Flächennutzungsplans zur Windenergienutzung auf den Weg zu bringen. Die Einbindung der Bevölkerung und der Ortsräte in das Verfahren ist selbstverständlich.

 

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