Es ist ein bekanntes Problem: Zu selten führt das, was Politikerinnen und Politiker an Initiativen, Empfehlungen oder Strategien auf dem Gebiet des Naturschutzes verkünden, dazu, dass die Menschen ihr Alltagsverhalten wirklich ändern. Ein deutsch-israelisches Forscherteam unter Führung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) hat sich mit den Gründen befasst. Demnach nutzen die von der Politik vorgeschlagenen Maßnahmen die Bandbreite der möglichen Verhaltenseingriffe nicht genügend aus und benennen zu selten die eigentlichen Zielgruppen, schreiben sie im Fachmagazin Conservation Biology.
Der Schutz bestäubender Insekten ist in der internationalen Naturschutzpolitik ein großes Thema. Aufgerüttelt durch wissenschaftliche Erkenntnisse zu hohen Bestandseinbrüchen bei Insektengruppen wie Bienen oder Schmetterlingen, die sich beispielsweise auf die Bestäubungsleistungen in der Landwirtschaft auswirken, stellt Europa den Insektenschutz in der Umweltpolitik nach vorn. Zahlreiche Regierungen in Europa haben nationale Strategien vorgelegt, wie sie den Erhalt der Bestäuber sichern wollen.
Ein Forscherteam des UFZ, des iDiv und des Technion – Israel Institute of Technology analysierte acht dieser nationalen Strategiepapiere zum Schutz der Bestäuber im Hinblick auf Verhaltensänderungen in der Bevölkerung. Das Ergebnis: „Naturschutzpolitiken zum Erhalt der Bestäuber sind in dieser Hinsicht oft zu ineffektiv und ändern nur wenig am Verhalten der Menschen“, sagt Erstautorin und Umweltpsychologin Dr. Melissa Marselle, die am UFZ und am iDiv zum Einfluss der Biodiversität auf die Gesundheit forscht.
Rund 610 Einzelmaßnahmen entschlüsselten die Wissenschaftler*innen in den Strategiepapieren. Anhand des Analysemodells „Behaviour Change Wheel“, das aus der Gesundheitspsychologie stammt und 19 unterschiedliche Verhaltensmodelle integriert, ordneten sie diesen Modellen neun sogenannte Interventionsfunktionen zu – also Maßnahmen, wie sich das Verhalten der Menschen ändern könnte. Demnach lassen sich mit 23 Prozent die meisten der insgesamt rund 790 Verhaltensmaßnahmen dem Bereich Bildung zuordnen, danach folgen mit 19 Prozent Strukturmaßnahmen wie das Pflanzen von Hecken, die Aussaat von Blühstreifen auf Äckern oder das Anlegen von Grünanlagen in der Stadt.

Rund vier Prozent der Maßnahmen lassen sich unter dem Stichwort Modelling zusammenfassen, also zum Beispiel dem Einsatz von Best-Practice-Beispielen von vorbildlich arbeitenden Landwirten. Danach folgen Anreizsysteme etwa für Landwirte oder Kommunen (drei Prozent) und gesetzliche Regelungen (zwei Prozent). Stärkere Eingriffe wie zum Beispiel zusätzliche Steuern für den Einsatz von Pestiziden tauchten in den Politikpapieren nicht auf.







