Ein Areal, das jahrelang weitgehend brachlag, soll in Merzig zu einem neuen wirtschaftlichen Motor werden. Auf dem ehemaligen Gelände der Fliesenproduktion von Villeroy & Boch planen das Saarland, das Unternehmen selbst und die Kreisstadt Merzig eine gemeinsame Zukunft. Am Freitag, 18. September, besiegelten die drei Partner im Wirtschaftsministerium ihre Absicht mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding.
Rund 24 Hektar umfasst die frühere Produktions- und Logistikfläche, die heute überwiegend ungenutzt ist. Aus dieser Industriebrache soll ein Standort entstehen, der Platz für Unternehmen ebenso wie für Wohnraum bietet. Ergänzend zum Memorandum unterzeichneten die Stadt Merzig, die SHS Strukturholding Saar und die LEG Kommunal einen Letter of Intent, der die nächsten konkreten Schritte der Flächenentwicklung festlegt.
Für Wirtschaftsminister Jürgen Barke ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Strukturwandel funktionieren kann. „Strukturwandel bedeutet nicht nur, neue Standorte zu schaffen, sondern auch bestehenden Flächen eine neue wirtschaftliche Zukunft zu geben“, sagte er. Das V&B-Areal biete dafür eine große Chance. „Mit den heutigen Vereinbarungen bringen wir das Projekt jetzt auf den Weg – mit einem klaren Ziel, aber auch mit der notwendigen Sorgfalt bei den nächsten Schritten.“
Die Aufgaben sind zwischen den Beteiligten klar verteilt. Villeroy & Boch erarbeitet ein Rückbau- und Entsorgungskonzept samt Kostenschätzung. Die Kreisstadt hat bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die unter anderem den Umgang mit dem Seffersbach klären soll. Finanzvorstand Dr. Markus Warncke betonte die günstige Lage des Standorts: Die unmittelbare Nähe zur Merziger Innenstadt mache das Gelände zu einer attraktiven Fläche für künftiges Wohnen und Arbeiten. Man wolle eine Lösung finden, „die dem Standort und den Menschen vor Ort langfristig zugutekommt“.
Auch die Stadtspitze sieht in der Entwicklung eine langfristige Stärkung Merzigs. Oberbürgermeister Marcus Hoffeld sprach von einem nachhaltigen und attraktiven Wirtschafts- und Wohnstandort, auf dem neue Arbeitsplätze und Wohnraum entstehen sollen. Bürgermeister Christian Bies wies auf den partnerschaftlichen Charakter des Vorhabens hin. Ein erster wichtiger Schritt sei die Erarbeitung eines gemeinsamen Masterplans, in dem wirtschaftliche, soziale und ökologische Interessen in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden sollen.
Das Land begleitet die Vorbereitungsphase über die SHS und die LEG Kommunal. Vorgesehen sind Planungs- und Ingenieurleistungen, eine ergänzende Baugrunduntersuchung sowie die Begleitung des Beteiligungsprozesses. An den dafür anfallenden Kosten beteiligt sich das Land über die SHS mit 50 Prozent, höchstens jedoch 300.000 Euro. Die Mittel stammen aus dem Transformationsfonds. SHS-Geschäftsführer Valentin Holzer sprach von einer „zentral gelegenen und werthaltigen innerstädtischen Brachfläche“ und verwies auf die Erfahrung seines Hauses bei der Entwicklung solcher Flächen.
Wie es nach der Vorbereitungsphase weitergeht, entscheiden die Partner in einer Grundsatzentscheidung. Villeroy & Boch beabsichtigt, das Grundstück anschließend zu verkaufen. Über den Kaufpreis und einen möglichen Erwerb der Fläche ist bislang jedoch noch nichts entschieden.




















