Die Zahl ist alarmierend: Zwischen 2015 und 2024 hat sich der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die das Saarland ohne Abschluss verlassen, um 119 Prozent erhöht – der mit weitem Abstand höchste Wert aller Bundesländer. Für die Saar-Grünen ist das kein statistischer Ausrutscher, sondern ein Beleg für ein tiefergehendes Versagen. Landesvorsitzender Volker Morbe sieht die Partei durch eine aktuelle Bildungsstudie der VSU in ihren langjährigen Forderungen bestätigt.
Konkret geht es um Grundfähigkeiten, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Viele Bewerberinnen und Bewerber für duale Ausbildungen scheitern laut Studie bereits am Lesen, Schreiben und Rechnen. „Das bei immer mehr Schüler:innen unzureichende Lernen hat dramatische Folgen sowohl für die jungen Menschen wie die Betriebe“, warnt Morbe. Die Defizite zeigten sich vor allem an Grund- und Gemeinschaftsschulen.
Morbe verweist zudem auf die Erhebungen des IQB, des Qualitätsinstituts der Kultusministerkonferenz. Dieses dokumentiere seit Jahren einen im Ländervergleich überproportional starken Rückgang der Kompetenzen, die junge Menschen für die Ausbildungsreife benötigen. Die Folgen reichen bis zu abgebrochenen Ausbildungen und einer wachsenden Zahl von Jugendlichen, die ohne Perspektive dastehen.
Was das für Einzelschicksale bedeutet, macht die Partei an einer Rechnung deutlich. Hätten die 911 saarländischen Jugendlichen ohne Schulabschluss ihre Schulzeit stattdessen in Baden-Württemberg oder Hamburg verbracht, so die Kalkulation der Grünen, hätten mehr als 300 von ihnen einen Abschluss erreicht. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein junger Mensch, dem Lebenschancen verwehrt bleiben.
Genau diese beiden Länder dienen Morbe als Vorbild. Hamburg schon lange, Baden-Württemberg seit einigen Jahren: Beide setzten auf eine bessere Personalausstattung und eine systematische, datengestützte Qualitätsentwicklung mit eigenen Qualitätsinstituten. Sozial- und Lerndaten würden dort genutzt, um Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, die Wirksamkeit von Maßnahmen wissenschaftlich zu überprüfen und gezielter zu fördern.
Eine solche an den Lernergebnissen orientierte Steuerung fordern die Grünen nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren auch für das Saarland. Dass sich nach der Arbeitskammer 2025 und mehreren Lehrerverbänden nun auch die VSU als bedeutender Akteur hinter das Vorhaben stellt, wertet Morbe als wichtiges Signal. Umso schwerer wiegt aus seiner Sicht, dass das Bildungsministerium bislang kein echtes Bildungsmonitoring auf den Weg gebracht habe und offenbar über keine entsprechende Expertise verfüge.
Entsprechend richtet die Partei einen deutlichen Appell an die politische Konkurrenz. Alle Parteien und Verbände sollten schon vor der anstehenden Landtagswahl eine neue, erfolgversprechende Bildungssteuerung für das Saarland einfordern. Regelmäßige Lernstandserhebungen und darauf aufbauende Fördermaßnahmen seien der Weg, um die Zukunftschancen im Land wieder zu verbessern.





















