Buchstaben können weit mehr sein als bloße Träger von Bedeutung. Bei Katharina Pieper werden sie zu lebendigen Gestaltungselementen, die aus der Fläche brechen und in den Raum greifen. Wie das aussieht, zeigt die international renommierte Schriftkünstlerin ab dem 14. September in der Galerie im Kulturzentrum Saalbau. Unter dem Titel „Federleicht – Wenn Gedanken Flügel tragen“ versammelt sie dort zwei- und dreidimensionale Arbeiten, die eigens für diese Einzelschau in Homburg entstanden sind.
Dass einige der Exponate die klassische Zweidimensionalität verlassen, ist typisch für Piepers Handschrift. Immer wieder verschiebt sie die Grenzen zwischen Schrift und freier Kunst, verbindet das Grafische mit dem Malerischen. Ihr Weg vom sauberen Schriftzug zum ausdrucksstarken Schriftbild begann Ende der 1980er-Jahre, als die Farbe ins Spiel kam. Seither fließt das Niedergeschriebene in seine Umgebung ein, Schriftzug und Farbe treten in einen dynamischen Dialog.
Pieper gehört im deutschsprachigen und internationalen Raum zu den gefragtesten Vertreterinnen der modernen Kalligrafie. Als Künstlerin und Dozentin ist sie über mehrere Kontinente hinweg aktiv, ihre Werke finden sich in bekannten Sammlungen rund um die Welt. Das Zentrum ihres Schaffens aber liegt seit vielen Jahren im Saarpfalzkreis, wo sie lebt und arbeitet.

2016 gründete sie den gemeinnützigen Verein „Stiftung Schriftkultur e.V.“ mit Sitz in Homburg. Ein Jahr später zog dieser in Räume des historischen Gut Königsbruch. Mit Ausstellungs- und Museumsbereich, dem Jean-Larcher-Archiv, Kursräumen und einer Fachbibliothek hat sich der Ort als zentrale Institution der deutschsprachigen Schreib- und Kunstszene etabliert – und Homburg damit zu einem Hotspot der Kalligrafie gemacht, wie die Kuratorin der Schau, Dr. Françoise Mathis-Sandmaier, berichtet.
Worum es der Künstlerin geht, fasst die Kuratorin so zusammen: „Formen und Farben verschmelzen zu visuell spannungsvollen und beflügelnden Kompositionen. Der Zauber der bildgewordenen Sprache liegt in der Kombination von ästhetischer Dimension und meditativer Wirkung. Einfühlsam bannt die lyrisch beschwingte Geste das Wort und animiert es kunstvoll mit Leben.“ Als skulpturale Elemente und Installationen greifen Piepers Schriftschöpfungen so bis in den physischen Raum aus.
Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage am Montag, 14. September, um 18.30 Uhr. Die Begrüßung übernimmt der Kulturbeigeordnete Raimund Konrad, die Einführung Dr. Mathis-Sandmaier. Die Künstlerin ist selbst anwesend, der Eintritt ist frei. Zu sehen ist die Schau bis zum 4. Oktober, jeweils von Mittwoch bis Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr.
Dazu gibt es ein kleines Begleitprogramm. An allen drei Sonntagen der Ausstellung führt Katharina Pieper persönlich um 15 Uhr bei freiem Eintritt durch ihre Werke. Und am Mittwoch, 23. September, liest die im Saarland lebende Autorin Birgit Herold um 19 Uhr aus ihrem Roman „Die Schreiberin“. Er erzählt vom bewegten Leben der Clara Hätzlerin, der einzigen urkundlich belegten Lohnschreiberin des Mittelalters. Auch dieser Abend ist kostenfrei.



















