Die Aufgabe klang zunächst denkbar einfach: Seil greifen, gemeinsam ziehen und ein Feuerwehrfahrzeug möglichst schnell über die Ziellinie bewegen. Spätestens beim ersten Antritt zeigte sich jedoch, was 17 Tonnen tatsächlich bedeuten. Beim Feuerwehrfest des Löschbezirks Homburg-Mitte wurde das Fire Truck Pulling am Samstag zum großen Publikumsmagneten – bevor der Abend mit der Blaulichtparty in die nächste Runde ging.
Auf dem Gelände der Feuerwache standen sich Mannschaften aus Homburg und weit darüber hinaus gegenüber. Feuerwehren aus der Region waren ebenso vertreten wie Teams mit längerer Anreise und eine Mannschaft aus dem American Football. Ursprünglich hatte es noch mehr Meldungen gegeben, einige Teams mussten jedoch kurzfristig absagen. Am Ende gingen acht Mannschaften in den Wettbewerb.
Gezogen wurde dabei kein Leichtgewicht. Das Tanklöschfahrzeug TLF 24/50 des Löschbezirks Homburg-Mitte bringt eine zulässige Gesamtmasse von 17 Tonnen auf die Waage. Seit rund drei Jahrzehnten gehört das Fahrzeug zum Bestand der Homburger Feuerwehr – und wurde am Samstag für einige Stunden zum ziemlich unbeweglich wirkenden Gegner der Teilnehmer. Die Regeln waren simpel: Entscheidend war die Zeit, in der die Mannschaft das Fahrzeug über die festgelegte Strecke zog. Gewertet wurde, sobald die Hinterachse die Ziellinie passiert hatte.
Was nach einer reinen Kraftprobe aussah, entwickelte schnell seinen eigenen sportlichen Reiz. Entscheidend war nicht allein möglichst viel Muskelmasse. Ein gemeinsamer Rhythmus, der richtige Start und die Fähigkeit, die 17 Tonnen überhaupt erst in Bewegung zu bringen, machten einen erheblichen Unterschied. Entsprechend eng lagen einige Mannschaften beieinander. Nach den ersten Durchgängen entschied sich die Organisation sogar, vier statt drei Teams ins Finale zu schicken. Der Abstand zwischen dem dritten und vierten Platz sei derart knapp gewesen, dass man mögliche Ungenauigkeiten bei der Zeitnahme ausschließen wollte.
Im Finale wurden die Karten komplett neu gemischt: Keine zuvor erzielte Zeit wurde übernommen, allein der letzte Lauf entschied über die Platzierungen. Auf den letzten Metern waren den Teilnehmern die Anstrengungen deutlich anzusehen. Das Publikum rückte näher an die Strecke, die Teams wurden lautstark angefeuert – und aus einer zunächst etwas kurios klingenden Idee war spätestens jetzt ein echter Wettbewerb geworden.
Von Heidelberg bis zu den Saarpfalz Celtics
Gerade die Mischung der Mannschaften machte den Reiz aus. Neben verschiedenen Feuerwehren waren unter anderem Gäste aus Heidelberg dabei. Die heimischen Saarpfalz Celtics tauschten für einen Nachmittag Football gegen Zugseil und belegten im Finale den vierten Platz. Auch mehrere Mannschaften, die bereits aus den Vorjahren Erfahrung mitbrachten, standen wieder am Start. Manche Teams hatten sich eigens Namen und passende Outfits gegeben – spätestens damit hatte das Fire Truck Pulling seinen Platz irgendwo zwischen sportlichem Ehrgeiz und Feuerwehrfest endgültig gefunden. Dass die Veranstaltung inzwischen über Homburg hinaus bekannt ist, zeigte die Herkunft der Teilnehmer. Im Vorfeld hatten sich unter anderem Mannschaften aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gemeldet.
Das Fest des Löschbezirks Mitte besitzt dabei eine wesentlich längere Tradition als das Truck Pulling. Schon an der früheren Feuerwache in der Gasstraße wurden Feuerwehrfeste gefeiert. Seit dem Umzug an den heutigen Standort hat sich das Konzept jedoch weiterentwickelt. Auch die Jugendfeuerwehr spielt inzwischen eine wesentlich größere Rolle. Sie wurde im Löschbezirk Mitte 2004 gegründet und ist längst ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsarbeit.
Genau diese Arbeit griff auch Saarlands Innen- und Sportminister Reinhold Jost bei seinem Besuch auf. Feuerwehr bedeute für junge Menschen weit mehr, als den Umgang mit Schläuchen, Fahrzeugen und Technik zu lernen. „Ihr vermittelt Charaktereigenschaften“, sagte Jost. Bei Feuerwehr und Hilfsorganisationen gehe es darum, dass Herkunft, Hautfarbe oder Religion keine Rolle spielten: Entscheidend sei, dass man sich aufeinander verlassen könne. Für den Minister sind Feuerwehren deshalb weit mehr als reine Einsatzorganisationen. „Ihr seid Wertevermittler“, sagte er und dankte den Mitgliedern ausdrücklich dafür, jungen Menschen beizubringen, nicht wegzusehen, wenn jemand Hilfe benötige.
Klare Worte gegen Angriffe auf Einsatzkräfte
Deutlich wurde Jost auch beim Thema Gewalt gegen Feuerwehrleute und andere Helfer. Dass Menschen diejenigen beleidigten oder sogar körperlich angingen, die ihnen oder anderen zu Hilfe kämen, sei für ihn nicht hinnehmbar. Einsatzkräfte hätten „Dankbarkeit und Respekt verdient“, machte der Minister deutlich.
Seinen grundsätzlichen Blick auf Feuerwehr und Hilfsorganisationen fasste er zuvor noch einfacher zusammen: „Ihr seid das Rückgrat unserer Gesellschaft.“ Dass solche großen Worte nicht völlig losgelöst vom Geschehen wirkten, zeigte der Samstag selbst. Hinter dem Wettbewerb, den Essensständen und der späteren Party standen zahlreiche ehrenamtliche Stunden – zusätzlich zum normalen Ausbildungs- und Einsatzdienst.
Nach der Kraftprobe kam die Blaulichtparty
Nach der Siegerehrung änderte sich der Charakter des Abends. Aus dem sportlichen Teil des Feuerwehrfests wurde zunächst ein Dämmerschoppen und anschließend die Blaulichtparty. Die Strecke, auf der zuvor noch Mannschaften um Sekunden gekämpft hatten, rückte in den Hintergrund. Jetzt ging es um Musik, Getränke und einen gemeinsamen Abend rund um die Feuerwache.
Damit traf der Samstag ziemlich genau das, was ein modernes Feuerwehrfest ausmacht. Natürlich geht es darum, die eigene Arbeit zu zeigen. Aber ebenso darum, Menschen überhaupt erst einmal auf das Gelände zu holen, Kontakte zu schaffen und die Feuerwehr jenseits von Einsatzmeldungen und Blaulicht kennenzulernen. Das Fire Truck Pulling funktionierte dafür ziemlich gut.
Denn 17 Tonnen Feuerwehrfahrzeug mit einem Seil über den Asphalt zu ziehen, sieht man in Homburg schließlich auch nicht jedes Wochenende. Und dass es von außen deutlich einfacher aussieht, als es tatsächlich ist, dürften seit Samstag einige Teilnehmer aus eigener Erfahrung bestätigen.
Alle Bilder: Friedel Simon











































































































