Joline Jochum-Wern interviewt regionale Akteurinnen: Von links nach rechts: Joline Jochum-Wern, Jessica Theisinger, Jelena Wagner, Selina Vogler, Alisha Loew und Anne Speicher Foto: Mark Herzog
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Ein einziger gezielter Luftstoß genügte, und der meterlange Folienschlauch war prall gefüllt. Landrat Frank John hatte zuvor noch auf rund 200 Atemzüge getippt und sich kräftig ins Zeug gelegt – vergeblich. Moderatorin Joline Jochum-Wern vom Medienzentrum+ des Saarpfalz-Kreises löste das Rätsel mit einem simplen physikalischen Prinzip: dem Bernoulli-Effekt. Was folgte, war ein überraschtes Raunen im Saal, spontaner Applaus und der Satz, der den Geist des gesamten Tages auf den Punkt brachte: „Das probieren wir morgen direkt in der Kita aus!“

Diese Szene eröffnete am 26. Februar den regionalen Fach- und Netzwerktag „MINT und Sprache“ im Saarpfalz-Kreis – eine Veranstaltung, die zeigen wollte, wie naturwissenschaftlich-technische Bildung bereits im Vorschulalter gelingen kann. Organisiert hatten den Tag die Stabsstelle zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels gemeinsam mit dem Medienzentrum+ des Saarpfalz-Kreises, der Fachberatung für Sprachkitas und dem Jugendamt. Die Schirmherrschaft übernahm Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. Gefördert wurde die Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms „MINT-Cluster III“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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Im Mittelpunkt stand eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch Vorträge, Workshops und Gespräche zog: Kinder brauchen keine Vorlesungen über Physik oder Informatik. Sie brauchen Erwachsene, die ihre Fragen ernst nehmen und ihnen Raum zum Ausprobieren geben. Beim Konstruieren, Beobachten oder Programmieren entstehen Lerngelegenheiten ganz von selbst – vorausgesetzt, die pädagogische Haltung stimmt. Ministerin Streichert-Clivot betonte, Sprache sei ein wesentlicher Schlüssel, wenn es darum gehe, wie sich Kinder in der Welt zurechtfinden. Im Zusammenhang mit MINT entwickle das Ganze ein sehr hohes Zukunftspotenzial. Tatsächlich greifen beide Bereiche eng ineinander: Wer ein Phänomen beschreibt, eine Vermutung formuliert oder einen Lösungsweg erklärt, trainiert gleichzeitig sprachliche Fähigkeiten.

Dass viele pädagogische Fachkräfte MINT-Themen dennoch mit einer gewissen Scheu begegnen, kam im kollegialen Austausch offen zur Sprache. Häufig steckt dahinter die Annahme, man benötige akademisches Fachwissen. Anne Speicher von der Stabsstelle zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels räumte mit diesem Vorurteil auf: „Frühkindliche MINT-Bildung entsteht nicht mit Theorie, sondern mit Offenheit. Entscheidend ist es, Fragen und Neugier Raum zu geben und gemeinsam ins Ausprobieren zu kommen.“ Jelena Wagner, Mitorganisatorin und Fachberatung für Sprachkitas, ergänzte: „Fragen setzen völlig neue Gedanken in Gang – und fordern die Kinder auf, nach eigenen Antworten zu suchen.“

Ein erklärtes Ziel der MINT-Förderung im Saarpfalz-Kreis ist es, Mädchen und Jungen gleichermaßen früh zu ermutigen, sich mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen zu beschäftigen – frei von stereotypen Zuschreibungen, dafür mit vielfältigen Zugängen und bewusst gesetzten Impulsen. Landrat Frank John unterstrich diesen Anspruch: „Frühe MINT-Bildung gelingt besonders gut, wenn unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen. Unser Ziel ist es, alle Kinder von Anfang an zu stärken – neugierig und selbstbewusst.“

Konkret wurde es an sogenannten Praxisinseln, an denen das Medienzentrum+ Materialien und Geräte präsentierte, die es pädagogischen Fachkräften im Landkreis kostenlos verleiht. Von kindgerechten Robotern bis hin zu Technik für Forschungsprojekte reichte das Angebot. Das Medienzentrum+ stellt dabei nicht nur Equipment bereit, sondern begleitet und berät die Einrichtungen auch bei der Umsetzung. Mehrere Kitas nutzten die Gelegenheit, eigene MINT-Projekte vorzustellen und Erfahrungen zu teilen. Der Austausch machte die Bandbreite gelebter Praxis sichtbar – und wie sehr Einrichtungen voneinander lernen können.

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Ein besonderes Format bot ein Workshop nach der Methode LEGO® Serious Play®, angeleitet von Facilitator Karol Krzyzewski. Die Teilnehmenden bauten dort ihre Vision einer idealen MINT-Kita aus bunten Steinen zusammen. In den Modellen wurden Vorstellungen von Lernumgebungen greifbar, die Neugier fördern, unterschiedliche Zugänge ermöglichen und Kinder unabhängig vom Geschlecht ermutigen, technische wie naturwissenschaftliche Themen für sich zu entdecken.

Der Netzwerktag im Saarpfalz-Kreis machte deutlich, dass frühe Bildung eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Wenn regionale Akteure ihre Kompetenzen bündeln – von der Kreisverwaltung über das Jugendamt bis zu den Kitas selbst –, entstehen Impulse, die weit über einen einzelnen Veranstaltungstag hinausreichen. Und manchmal genügt dafür schon ein einziger Atemzug.