Coffee-to-go-Becher, Schüsseln und anderes Geschirr aus natürlichen Materialien  wie Bambus, Mais oder Weizenfasern liegen voll im Trend und gelten als umweltfreundliche Alternativen zu Einwegverpackungen bzw. reinem Kunststoffgeschirr.

Aber Vorsicht! Die im Handel häufig als reines „Bambus-Geschirr“ ausgelobten Produkte bestehen nicht nur aus reinem Bambus, sondern aus Kunststoffen wie Melamin-Formaldehyd-Harz (MFH). Dem Kunststoff werden Bambusfasern, Maisstärke oder auch Reishülsen und Weizenfasern nur als Füllstoffe zugegeben. „Wir stoßen bei unseren Kontrollen immer wieder auf diese Form der Verbrauchertäuschung“, stellt Verbraucherschutzminister Reinhold Jost fest. Seit Oktober 2020 sei in 16 von 32 überprüften Geschäften im Saarland Bambus-Melamin-Geschirr aus dem Verkehr gezogen worden. Insgesamt handelte es sich dabei um rund 180 Geschirrteile, die aus dem Verkaufssortiment entfernt werden mussten.

Die beanstandeten Produkte fallen wegen ihres Kunststoffanteils unter die Europäische Kunststoff-Verordnung (EU) Nr. 10/2011. Bambusfasern oder Maismehl zum Beispiel sind in dieser Verordnung aber nicht gelistet und somit für die Verwendung in Lebensmittel-Kontaktmaterialien auch nicht zugelassen. Bezeichnungen wie „besonders umweltfreundlich“, „biologisch abbaubar“ oder „ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt“ sind zudem falsch. MFH ist ein Kunststoff, der nicht biologisch abbaubar ist. „Uns geht es hier aber keinesfalls nur um den Etikettenschwindel, sondern um Gesundheitsgefahren, die mit diesen Waren verbunden sind“, warnt Minister Jost.

Denn Untersuchungen durch das Landesamt für Verbraucherschutz ergaben, dass unter bestimmten Bedingungen, wie Hitze oder Einwirkung von sauren Lebensmitteln, die Bausteine des Kunststoffes MFH, Formaldehyd und Melamin, an Lebensmittel abgegeben werden können. Zudem zeigten Untersuchungen der Landesbehörden und des Bundesamtes für Risikobewertung, dass bei MFH-Produkten, denen pflanzliche Zusätze beigemischt sind, die Freisetzung von Formaldehyd und Melamin auffällig erhöht ist und solche Produkte gerade im Langzeitkontakt nicht stabil sind. Der Kunststoff wird zunehmend angegriffen und zersetzt sich. Je öfter man das Geschirr benutzt, desto mehr Schadstoffe können sich herauslösen.  Formaldehyd gilt als wahrscheinlich krebserregend. Melamin steht im Verdacht, Schäden an Blase und Nieren auszulösen.

Der Verbraucherschutzminister rät, generell nur Produkte zu kaufen, bei denen der Hersteller die Art der verwendeten Materialien angibt. Es gebe gute Alternativen zu Bambusgeschirr, etwa Glas, Porzellan oder auch hitzebeständige Kunststoffe wie Polypropylen. Jost: „Wir werden bei unseren Kontrollen das Bambus-Melamin-Geschirr im Handel auch weiterhin im Blick behalten.“

 

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