Jeden Tag landen in Europa fast 19 Millionen Flaschen Raps- und Sonnenblumenöl in Autotanks. Der von der Politik geförderte Agrodiesel aus Speiseöl ist mitverantwortlich dafür, dass sich Pflanzenöle global betrachtet in den letzten zwei Jahren – und insbesondere seit Beginn des Ukraine-Krieges – von allen Lebensmitteln am stärksten verteuert haben.

Das zeigt eine veröffentlichte Studie des Umweltdachverbands Transport & Environment (T&E). Angesichts der globalen Lebensmittelknappheit und Preisinflation fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Bundesregierung auf, das Verbrennen von Lebensmitteln als sogenannten Agrokraftstoff sofort zu stoppen. Der Ausstieg aus Agrosprit muss in dem für die nächsten Wochen angekündigten Entwurf des Bundesumweltministeriums für eine Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes festgeschrieben werden. Bisher fördert die Bundesregierung den Einsatz von Agrokraftstoffen durch die Anrechnung auf die sogenannte Treibhausgasminderungsquote im Verkehr.

„Die akuten globalen Versorgungslücken bei Speiseöl zeigen erbarmungslos, wie falsch die Prioritäten derzeit gesetzt sind: Während Verbraucher hierzulande vor ausgedünnten Supermarktregalen und Menschen im globalen Süden vor dem Absturz in Armut und Unterernährung stehen, füttern wir in Europa munter weiter jeden Tag 19 Millionen Flaschen Raps- und Sonnenblumenöl und Weizen für 15 Millionen Laibe Brot an Verbrenner-Autos. Die Bundesregierung muss jetzt handeln und diesen Unsinn beenden: Speiseöl und Getreide gehören auf die Teller von Menschen, nicht in die Tanks von Autos. Essen als Sprit zu verbrennen, bedroht die Ernährungssicherheit und heizt aufgrund des immensen Flächenverbrauchs die Klimakrise und das Artensterben an. Der vollständige Ausstieg aus Agrosprit muss jetzt kommen: Es spricht alles dafür und nichts dagegen“, so Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

18 Prozent des weltweit produzierten Pflanzenöls werden derzeit zu Agrokraftstoff verarbeitet, wie die neue T&E-Recherche zeigt. In Deutschland wird auf 60 Prozent der Rapsanbaufläche Rapsöl für Agrosprit produziert. Speiseöl ist hierzulande im Schnitt bereits fast 50 Prozent teurer als 2020, viele Supermärkte haben den Verkauf schon vor Monaten rationiert. Laut Prognosen der Vereinten Nationen wird die Preisinflation bei Grundnahrungsmitteln Millionen Menschen auf der ganzen Welt in die Unterernährung treiben.

Der Einsatz von Agrosprit sollte ursprünglich dabei helfen, die Treibhausgasemissionen im Verkehr zu reduzieren. Inzwischen ist jedoch längst bekannt: Der mit dem Anbau von Raps, Getreide und Co. einhergehende hohe Flächenverbrauch macht Agrosprit in der Realität noch klimaschädlicher als fossilen Kraftstoff und belastet durch die zusätzliche intensive Landwirtschaft Ökosysteme und Biodiversität. Das Umweltbundesamt stuft die staatliche Förderung von Agrokraftstoff deshalb seit jeher als klima- und umweltschädliche Subvention ein.

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