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Anlässlich der Halbjahreszeugnisse in Bayern schlägt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gemeinsam mit Schülern sowie Bau-Experten und Umweltvertretern Alarm: Der Zustand deutscher Schulgebäude ist katastrophal. Allein in Bayern und Nordrhein-Westfalen wird der aktuelle Sanierungsstau auf rund 14,5 Milliarden Euro geschätzt. 40 Prozent der Schüler in Deutschland gehen in diesen Bundesländern zur Schule – in oftmals baufälligen, schlecht gedämmten und teils gesundheitsschädlichen Lernumgebungen.

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Das Aktionsbündnis fordert deshalb eine sofortige Sanierungsoffensive, damit bis 2040 alle Schulen klimazielkonform saniert und gebaut sind. Flankiert von zusätzlichen Landesförderprogrammen muss der Bund dafür ein Sonderförderprogramm für Bildungseinrichtungen zur Bewältigung der Corona- und Klimakrise in Höhe von 10 Milliarden Euro pro Jahr bereitstellen. Die Forderungen zur Sanierungsoffensive in öffentlichen Schulen hat die DUH in einem Forderungspapier zusammengefasst.

Dazu Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Der desaströse energetische Zustand öffentlicher Schulgebäude ist mitverantwortlich dafür, dass die Klimaziele des Gebäudesektors im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge verfehlt wurden. Statt Vorbild beim Klimaschutz zu sein, sind Schulen echte Klimakiller und gefährden die Gesundheit und Bildungschancen unserer Kinder. Wir fordern Bauministerin Klara Geywitz und die Verantwortlichen der Länder dazu auf, eine großangelegte Sanierungsoffensive für klimazielkonforme Schulen zu starten und dabei die schlechtesten Gebäude zuerst anzugehen. Grundlage dafür muss eine transparente Datenerfassung sein.“

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Die DUH startet zusammen mit den zwei Betroffenen Moritz Meusel und Johanna Börgermann zusätzlich Petitionen in Bayern und NRW für eine umfassende Sanierungsoffensive in Schulen.

Moritz Meusel, Schülervertreter aus Bayern: „Hunderttausende junge Menschen gehen in Deutschland für mehr Klimaschutz auf die Straße. Die Chancengerechtigkeit nimmt seit Jahren stark ab. Spätestens seit der Corona-Pandemie befindet sie sich im Sturzflug. Dennoch müssen Schüler weiter in völlig maroden Schulhäusern sitzen, die nicht nur die Klimakrise weiter befeuern, sondern gleichzeitig Katalysator für Ungleichheit und Armut in Deutschland sind. Obwohl die Fakten auf dem Tisch liegen, weigern sich Bundes- und Landesregierung dagegen vorzugehen. Damit muss jetzt Schluss sein! Die Sanierung von Schulgebäuden ist nicht nur eine Frage des Klimas, sondern auch der Chancengerechtigkeit.“

Johanna Börgermann, Landesschülervertreterin NRW: „Dass Schüler in maroden Schulgebäuden lernen, ist ein Armutszeugnis für die Gesellschaft. Es ist eine Frage von Generationengerechtigkeit, nun einen Schlussstrich zu ziehen und sich für die Zukunft unserer Generation einzusetzen. Bildung und Klimaschutz beschäftigen uns intensiv. Es kann nicht sein, dass es gerade in der Bildung einen Sanierungsstau in Milliardenhöhe gibt. Schluss mit Stillstand in Bildung und Klimagerechtigkeit!“

Ursula Sowa, Mitglied des Bayerischen Landtags der Partei Bündnis 90/Die Grünen und baupolitische Sprecherin: „Investitionen in den Schulbau sind Investitionen in die Zukunft! Der Investitionsstau bei den bayerischen Schulen ist allerdings enorm. Schulsanierung ist ein verschlafenes Dauerthema seit über einem Jahrzehnt und damit schwer aufzuholen. Wir dürfen die Kommunen hier nicht im Regen stehen lassen! Bayern muss dringend mehr Geld in den Schulbau und -unterhalt einstellen, die Fördermittelgeber mit ausreichenden Ressourcen ausstatten, Bürokratie abbauen und die Fördermittelprogramme praxisnah gestalten.“

Prof. Dipl.-Ing. Clemens Richarz, 1. Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer: „Nachhaltiger klimaneutraler Schulbau ist wesentlich zum Erreichen der Pariser Klimaschutzziele und relevanter Baustein für einen dringend erforderlichen gesellschaftlichen Wertewandel. Die Bildungsumgebung unserer Kinder und Jugendlichen muss unbedingt auf die maßgeblichen Ziele des Klimaschutzes und des sozialen und fairen Zusammenlebens ausgerichtet werden. Damit übernimmt die heutige Generation Verantwortung für eine zukunftsgerechte Lernumgebung und verankert Klima- und Umweltschutz im Bewusstsein der nächsten Generationen. Hierfür sollten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Allem voran muss der Schulgebäudebestand, vor ressourcen- und energieintensiven Neubauten, in eine zukunfts- und klimagerechte Lernumgebung transformiert werden.“

Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern: „Das bayerische Klimaschutzgesetz bleibt weit hinter den Möglichkeiten des Freistaats zurück. Klare Vorgaben für mehr Klimaschutz vor allem im Gebäudesektor fehlen. Da können auch Markus Söders vollmundige Klima-Ankündigungen nicht drüber hinwegtäuschen. Wir wollen endlich Taten sehen! Beispielsweise auch beim Schulsektor. Es kann nicht sein, dass die meisten unserer Schulgebäude fossile Energieverschwender sind und unsere Schüler Schimmel und undichten Fenstern ausgesetzt sind. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie dieses Problem endlich angeht und die energetische Sanierung unserer Schulgebäude mit Nachdruck vorantreibt.“

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