Foto: Thomas Bastuck
Anzeige

Wer künftig durch die Innenstadt von St. Ingbert geht, kann die Geschichte ehemaliger jüdischer Familien nicht nur lesen, sondern hören. Der neue „Erinnerungsweg jüdischen Lebens in St. Ingbert“ verbindet fünf Stolpersteine zu einem etwa einstündigen Rundgang, der die Schicksale der Familien Beer, Kahn, Meyer und Schmitt lebendig werden lässt.

Hinter dem Projekt stehen sieben Schülerinnen und Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG). In der Arbeitsgemeinschaft „Zweitzeugen“ unter der Leitung von Eva Bacher haben sie sich intensiv mit den Lebenswegen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger beschäftigt und daraus kurze Hörbeiträge geformt. Die Jugendlichen leihen den Menschen von einst ihre Stimmen: Sie lesen aus Briefen vor und erzählen von deren Alltag, Hoffnungen und Verlust.

Foto: Thomas Bastuck

Abrufbar sind die Hörstationen über die kostenlose Actionbound-App, die direkt an den jeweiligen Stolpersteinen genutzt werden kann. Eine wichtige Grundlage lieferte das Jüdische Museum München, das Briefe und Dokumente zur Verfügung stellte. So ließen sich zahlreiche persönliche Details aus dem Leben von Fritz und Elisabeth Beer rekonstruieren und in die Erzählungen einweben.

Besonders eindrücklich ist die Station in der Gustav-Clauss-Anlage. Dort schildert „Steffi Beer“ ihre Familiengeschichte in einem längeren Beitrag, für den man sich auf einer der Sitzgelegenheiten Zeit nehmen kann. Der gesamte Weg macht spürbar, wie eng jüdische und christliche Bürgerinnen und Bürger in St. Ingbert einst zusammenlebten und arbeiteten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen selbst, ihre Familien und ihre persönlichen Erinnerungen.

Damit auch jüngere Besucher etwas mitnehmen, ergänzen kleine Quizfragen die Hörstationen. So eignet sich der Rundgang bereits für Kinder und Jugendliche im Alter von etwa acht bis 14 Jahren. Der Weg ist selbsterklärend aufgebaut, setzt keine Ortskenntnisse voraus und wurde barrierefrei gestaltet. Wer sich auf den Weg macht, sollte etwas Zeit einplanen und gegebenenfalls eine kleine Verpflegung mitnehmen.

Ein Hinweis ist wichtig: Der Erinnerungsweg funktioniert ausschließlich digital, vor Ort gibt es keine zusätzliche Beschilderung. Die Actionbound-App sollte deshalb schon vor dem Start heruntergeladen werden. Informationen zum Weg und zur Nutzung der App finden Interessierte auf der Website der Stadt St. Ingbert.

Anzeige

Der Rundgang ist Teil der laufenden Arbeit der „Zweitzeugen“-AG. Die frisch ausgebildeten Jugendlichen bieten außerdem Besuche in Schulklassen an, bei denen sie mithilfe umfangreicher Materialien die Geschichten weitergeben und Fragen beantworten. Schulen mit Interesse können sich per E-Mail an Eva Bacher unter eva.bacher@amg-igb.de wenden. An der Entstehung des Projekts beteiligt waren neben den Jugendlichen und ihrer Lehrerin auch Stephan Friedrich, das Stadtarchiv St. Ingbert, die Abteilung Tourismus der Stadt sowie Dieter Wirth.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein