Symbolbild

Ein Algorithmus, der über die eigene Karriere entscheidet – was nach Science-Fiction klingt, ist in deutschen Personalabteilungen längst Realität. Zwölf Prozent der Unternehmen hierzulande setzen bereits heute künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess ein. Und die übrigen 88 Prozent? Können es sich zumindest für die Zukunft vorstellen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die mehr als 600 Unternehmen ab drei Beschäftigten befragt wurden.

Die Bandbreite möglicher Einsatzfelder ist beträchtlich. Neun Prozent der Betriebe lassen ihre Stellenanzeigen schon von einer KI formulieren, weitere 59 Prozent halten das für denkbar. Fast die Hälfte kann sich zudem vorstellen, Anzeigen auf Basis einer KI-Analyse gezielt an bestimmte Bewerbergruppen auszuspielen – bislang tun dies allerdings nur drei Prozent.

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Auch bei der Sichtung eingehender Unterlagen kommt die Technik ins Spiel. Sechs Prozent der Unternehmen nutzen KI bereits für die erste Durchsicht, 27 Prozent können es sich vorstellen. Bei automatisierten Kompetenz- oder Potenzialanalysen liegt der aktuelle Wert bei fünf Prozent, ein gutes Drittel zeigt sich offen für einen künftigen Einsatz.

Besonders heikel wird es beim direkten Kontakt mit den Kandidaten. Zwei Prozent der befragten Firmen lassen Bewerbungsgespräche schon heute von einer KI führen. Jedes sechste Unternehmen, also 17 Prozent, kann sich diesen Schritt zumindest für die Zukunft vorstellen. Die Frage, ob künftig ein Computer über Einstellung oder Absage mitentscheidet, ist damit keine rein hypothetische mehr.

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„Technisch ist in Bewerbungsverfahren vieles möglich und noch mehr denkbar“, ordnet Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder die Zahlen ein. Doch gerade im hochsensiblen Personalwesen brauche es klare und verständliche Regeln, an die sich auch alle hielten. Der gesetzliche Rahmen, den der sogenannte AI Act der EU schaffe, lasse hier noch zu viele Fragen offen, besonders beim Einsatz von Hochrisiko-KI. Der Verband dringt deshalb auf schnelle Klarstellungen.

Während der KI-Einsatz vielerorts noch am Anfang steht, ist die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses insgesamt bereits weit fortgeschritten. Alle befragten Unternehmen ermöglichen es, Bewerbungsunterlagen digital einzureichen. In 73 Prozent der Betriebe können Interessierte in einen Bewerberpool für weitere offene Stellen aufgenommen werden.

Jedes zweite Unternehmen bietet Bewerbungsgespräche per Videokonferenz an, weitere 34 Prozent halten das für vorstellbar. Digitale Assessment-Center oder Online-Testverfahren gehören bei 37 Prozent zum Repertoire, und in fast einem Drittel der Firmen lassen sich Arbeitsverträge inzwischen digital unterzeichnen.

Das Interesse an der Technologie ist also da – was fehlt, ist Verlässlichkeit. „Im Personalwesen besteht hohes Interesse am Einsatz von KI“, betont Rohleder. „Was Unternehmen jetzt brauchen, ist vor allem Rechtssicherheit bei der Umsetzung des AI Acts.“ Für die zugrunde liegende Erhebung befragte Bitkom Research zwischen April und Juni 2026 insgesamt 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten telefonisch.

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