Foto: Jürgen Bost
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Ein Gemäldezyklus, der jahrzehntelang als verschollen galt, stand im Zentrum einer gut besuchten Lesung in der Stadtbücherei St. Ingbert. Am Donnerstag, 10. September, präsentierte der Historiker, Archäologe und Denkmalpfleger Simon Matzerath dort sein Sachbuch „Inszenierung der Nation“, das im St. Ingberter Conte Verlag erschienen ist. Sein Bildvortrag zog ein Publikum an, das erkennbar mehr wollte als eine reine Buchvorstellung.

Im Kern geht es um die monumentalen Werke des Malers Anton von Werner, die einst das Altsaarbrücker Rathaus schmückten. Das Gebäude wurde 1944 zerstört, die Gemälde überdauerten. Ihr Sujet: der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 und die Gründung des Deutschen Reiches. Matzerath, der von 2016 bis 2024 das Historische Museum Saarbrücken leitete und heute an der Spitze des Landesdenkmalamts Saarland steht, kennt die Geschichte dieser Bilder wie kaum ein Zweiter.

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Wie aufwendig die Rettung der Werke war, machte er anhand vieler Details deutlich. Durch unsachgemäße Lagerung waren die Gemälde stark in Mitleidenschaft gezogen. Erst durch die Restaurierung wurde ihre ursprüngliche malerische Qualität wieder sichtbar. Matzerath führte das Publikum vom Moment der Wiederentdeckung über die Instandsetzung bis hin zur digitalen Rekonstruktion des früheren Ratssaals und zu der offenen Frage, wie sich die Werke künftig überhaupt zeigen lassen.

Doch der Vortrag blieb nicht bei der Restaurierung stehen. Matzerath ordnete die Bilder kritisch ein. Sie transportieren ein stark patriotisch aufgeladenes Geschichtsbild und zeigen, wie im Kaiserreich Vergangenheit gezielt inszeniert und für die nationale Identität nutzbar gemacht wurde. Damit rührt das Thema an Fragen, die bis in die Gegenwart reichen: an Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und den Umgang mit nationalistischen Bildwelten.

Genau an diesem Punkt entwickelte sich im Anschluss ein lebhafter Austausch. Diskutiert wurde über nationale Identität, über Mechanismen der Ausgrenzung und über die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft. Die Veranstaltung führte vor Augen, welchen Wert historische Quellen für die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit besitzen – gerade dann, wenn sie unbequeme Botschaften enthalten.

Das Literaturforum St. Ingbert setzt sein Herbstprogramm in den kommenden Wochen fort. Am Donnerstag, 29. Oktober, stellt Ferdinand Knauß seinen Essayband „Der gelähmte Westen“ vor. Am Mittwoch, 4. November, rückt in Kooperation mit der KEB Saarpfalz das Lebenswerk Hermann Hesses in den Mittelpunkt. Den Abschluss der Reihe markiert am 10. November Stefan Friedrich mit seinem Buch „Von der Cowboyband zur Bergkapelle“.

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