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Die Schulferien im Sommer und Herbst hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus in Deutschland. Zudem hat die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien nicht zur Erhöhung der Infektionen geführt – weder unter Kindern noch unter Erwachsenen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie von Uta Schönberg, Kirill Borusyak und Clara von Bismarck-Osten, die am University College London und am Centre for Research and Analysis of Migration (CReAM) forschen. Anders als die meisten epidemiologischen Studien, die das Infektionsgeschehen an einzelnen Schulstandorten beobachten, basiert die Studie auf deutschlandweiten Daten des Robert Koch-Instituts.

Für die Analyse wurden statistische Methoden angewendet, welche die zeitversetzten Start- und Endpunkte der Ferien in den verschiedenen Bundesländern ausnutzen. WissenschaftlerInnen des CReAM sind über das RWI Research Network mit dem RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung verbunden.

Die Schulferien im Sommer haben nicht zu einem signifikanten Absinken der SARS-CoV-2-Infektionsrate unter Schulkindern geführt. Nach der Datenanalyse liegt der Effekt von Schulschließungen auf die Infektionsrate bei nahezu Null. Dies bedeutet, dass die Kinder während der Schulferien einem ähnlichen Infektionsrisiko ausgesetzt waren wie während des Schulbetriebs. Die Analyse der Schulferien im Herbst, der insgesamt durch deutlich höhere Infektionsraten geprägt war als der Sommer, bestätigt diesen Befund: Auch infolge der Herbstferien kam es nicht zu einer signifikanten Verringerung der SARS-CoV-2-Infektionen.

Zudem finden die AutorInnen keine Hinweise darauf, dass die Schulschließungen Auswirkungen auf die Ansteckungswahrscheinlichkeit Erwachsener haben. In der älteren Bevölkerung kam es durch die Schulferien im Sommer maximal zu einem Absinken der Infektionszahlen um täglich 0,03 Infektionen pro 100.000 Personen ab 60 Jahren. Die Analyse der Herbstferienzahlen bestätigt diese Beobachtung. Zugleich kam es nach der Wiederaufnahme des vollen Präsenzunterrichts nach den Sommerferien nicht zu einem Anstieg der Infektionen unter Schulkindern und Erwachsenen. Vielmehr stiegen die Infektionsraten in den letzten Wochen der Sommerferien an, bevor sie in den ersten Tagen nach Schulbeginn zurückgingen, insbesondere bei den jüngeren Altersgruppen.

Die Studie nutzt die Tatsache, dass die Schulferien in den Bundesländern zu unterschiedlichen Zeiten starten. Der jeweilige Zeitpunkt wird mit mehreren Jahren Vorlauf festgelegt und ist damit unabhängig vom Infektionsgeschehen. Im Gegensatz zu den Schulschließungen während des ersten „Lockdowns“ im März ging der Beginn der Sommerferien und Herbstferien außerdem nicht mit der Einführung anderer Eindämmungsmaßnahmen einher. Das ermöglicht es, die Auswirkungen von Schulschließungen isoliert analysieren zu können. Hierzu wenden die AutorInnen neueste ökonometrische Methoden an.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schulen in der Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus bislang eine untergeordnete Rolle gespielt haben“, sagt Uta Schönberg, Professorin am University College London und stellvertretende Direktorin des Centre for Research and Analysis of Migration sowie Mitglied des RWI Research Network. „Die Schulschließungen im Zuge der Sommer und Herbstferien haben zu keinem signifikanten Rückgang des Infektionsrisiko geführt. Auch die Annahme, dass die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien wesentlich zur zweiten Welle beigetragen habe, erscheint unbegründet – möglicherweise aufgrund der in den Schulen eingeführten Regeln zur Verhinderung von Ansteckungen. Im Ergebnis lässt die Studie Zweifel aufkommen, ob Schulschließungen eine adäquate Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie sind.“
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Originalpublikation:

Ruhr Economic Papers #882 „The Role of Schools in Transmission of the SARS-CoV-2 Virus: Quasi-Experimental Evidence from Germany“ von Clara von Bismarck-Osten, Kirill Borusyak und Uta Schönberg, www.rwi-essen.de

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