Herzogenaurach hält Kurs: Trotz eines Umfelds, das der Industrie weiter viel abverlangt, meldet die Schaeffler Gruppe für die ersten neun Monate des Jahres 2026 ein solides Ergebnis. Der Umsatz lag währungsbereinigt mit rund 17,5 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau, die operative Profitabilität zog sogar leicht an. Am 3. November legte der Konzern seine vollständigen Zahlen vor, nachdem bereits Mitte Oktober erste Eckdaten veröffentlicht worden waren.
Dass die Bilanz trotz spürbarer Belastungen im Automobilgeschäft stabil ausfällt, führt der Vorstand auf die breite Aufstellung des Unternehmens zurück. Mit vier produktorientierten Sparten und vier Regionen gelingt es dem Konzern, Rückgänge in einzelnen Bereichen weitgehend durch Zuwächse an anderer Stelle auszugleichen. Die EBIT-Marge vor Sondereffekten kletterte auf 4,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Vorjahr; das operative Ergebnis stieg um 6,5 Prozent auf 794 Millionen Euro.
„Die Schaeffler Gruppe hat in einem herausfordernden Marktumfeld in den ersten neun Monaten ein solides Ergebnis erwirtschaftet“, erklärt Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Als breit aufgestellte Motion Technology Company habe man die schwieriger gewordene Lage im Automotive-Erstausrüstungsgeschäft zumindest teilweise durch andere Bereiche kompensieren können. Rosenfeld verweist zudem auf die Zukunftsfelder: Gerade in der humanoiden Robotik habe man neue Kunden gewonnen und das Auftragsbuch weiter gefüllt. Auf dieser Grundlage bestätige man sowohl die Prognose für das laufende Jahr als auch die Mittelfristziele für 2028.
Ein regionales Bild mit zwei Gesichtern prägt das Geschäft. Während Europa und die Region Americas währungsbereinigt in etwa das Vorjahresniveau hielten, legte Asien/Pazifik um 7,3 Prozent zu. Deutlich ins Minus rutschte dagegen Greater China mit einem Rückgang von 7,9 Prozent – ein Dämpfer, der sich vor allem aus dem schwächelnden Geschäft europäischer Automobilhersteller im Reich der Mitte speist.
Genau dieser Effekt belastet die Sparte E-Mobility, die zwar währungsbereinigt um 4,6 Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Euro wuchs, aber eine einmalige Sonderbelastung verkraften musste. Wegen anhaltend sinkender Volumina bei Projekten europäischer Hersteller in China beschloss Schaeffler im dritten Quartal Maßnahmen, die zu Wertminderungen und Rückstellungen von rund 240 Millionen Euro führten. Betroffen sind im Wesentlichen Produktionsanlagen, die durch wegbrechende Projekte nicht mehr benötigt werden. Trotzdem verbesserte sich die EBIT-Marge der Sparte von minus 17,8 auf minus 14,8 Prozent – die Verluste wurden also eingedämmt.
Die übrigen Sparten zeigten sich robust bis stark. Powertrain & Chassis musste zwar wegen der Portfoliobereinigung und des schrumpfenden Verbrennermarktes Umsatzeinbußen hinnehmen, hielt mit 10,8 Prozent aber eine zweistellige Marge. Vehicle Lifetime Solutions blieb mit 15,1 Prozent auf hohem Niveau, und Bearings & Industrial Solutions verbesserte seine Profitabilität dank besserer Werksauslastung deutlich auf 8,9 Prozent.
Finanzvorstand Christophe Hannequin hebt die operative Disziplin hervor: „Alle vier Sparten haben sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 in einem herausfordernden Umfeld erfolgreich behauptet.“ Durch den Fokus auf operative Leistung und strukturelle Kostenverbesserungen sei es gelungen, die Profitabilität trotz leicht gesunkener Umsätze zu steigern. Auch der Free Cash Flow habe sich im Jahresverlauf stetig verbessert – nach neun Monaten steht hier zwar noch ein Minus von 40 Millionen Euro, im dritten Quartal allein jedoch bereits ein Plus von 260 Millionen Euro.
Unter dem Strich drehte das Konzernergebnis mit 11 Millionen Euro wieder ins Positive, nach einem Verlust von 244 Millionen Euro im Vorjahr. Die Mitarbeiterzahl sank weltweit auf 108.004, ein Rückgang, der auf früher als geplant umgesetzte Strukturmaßnahmen und rund 1.800 Altersteilzeitverträge zurückgeht. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern einen Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden Euro an.



















