Armut lässt sich nicht aus der Ferne bekämpfen – sie beginnt dort, wo Menschen leben. Mit dieser Überzeugung tritt die saarländische Landesregierung anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Armut am morgigen 17. Oktober vor die Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt steht ein Ansatz, der Hilfe nicht auf Ämter beschränkt, sondern direkt in die Nachbarschaften trägt.
„Armutsbekämpfung beginnt in der Nachbarschaft, im Quartier und bei den Menschen. Indem wir die Unterstützung direkt in die Lebenswelten bringen, schaffen wir Perspektiven und geben Mut für eine gemeinsame Zukunft ohne soziale Ausgrenzung“, erklärt Sozialminister Magnus Jung zu dem Aktionstag. Dieser Gedanke prägt die gesamte Strategie des Landes.
Herzstück ist die sogenannte Quartiersbezogene Armutsbekämpfung, kurz QbA. In ausgewählten Perspektivquartieren in Völklingen, Neunkirchen und Saarbrücken-Burbach ziehen Landesregierung, Landkreise, Regionalverband und Städte an einem Strang, um soziale Probleme dort anzupacken, wo sie entstehen. Zwischen 2022 und 2026 hat das Sozialministerium auf diesem Weg insgesamt 81 Maßnahmen in der Wohnungslosenhilfe und zur Armutsbekämpfung angestoßen oder gefördert.
Wie breit dieser Ansatz angelegt ist, zeigt der Blick auf die laufenden Projekte. Beratungsstellen bringen Rechts- und Finanzhilfe direkt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern, etwa durch Vor-Ort-Sprechstunden der Sozialämter oder das Engagement ehrenamtlicher Stadtteilpatinnen. Bei Bildung und Sprache setzt das Land früh an: Kinderbetreuung während Sprachkursen, Modellprojekte wie „Startklar Deutsch“ oder die regelmäßige Lieferung von Obst und Gemüse an Kitas sollen Chancen von Beginn an verbessern.
Ebenso wichtig ist die Begegnung. Das mobile Wohnzimmer, der zum Grünen Zentrum geöffnete Nachbarschaftsgarten in Völklingen oder interkulturelle Bewegungsangebote in Neunkirchen schaffen Orte, an denen soziale Barrieren fallen. Hinzu kommen Wege in den Arbeitsmarkt, etwa durch die Frauenmaßnahme „Perspektive.Frau“ oder die aufsuchende Arbeit des Jobcenters für Familien. Auch das Wohnumfeld selbst rückt in den Fokus – Projekte wie „Glanz im Quartier“ sensibilisieren für den Umgang mit Müll, während ein Fassadenkunstprojekt die Menschen vor Ort einbindet.
Als Fundament gilt der Landesregierung menschenwürdiges Wohnen. Gegen prekäre Verhältnisse und sogenannte Problemimmobilien gehen in den Kommunen eigens eingerichtete „Task Forces Wohnen“ vor. In Völklingen entstand zudem ein niedrigschwelliges Wohncafé, in dem Fachleute Fragen rund um den Mieterschutz beantworten und die Menschen so handlungsfähig machen. Der gemeinsame Nenner all dieser Bausteine bleibt derselbe: Hilfe, die ankommt, weil sie dorthin kommt, wo sie gebraucht wird.




















