Das saarländische Abitur bekommt ein neues Gesicht. Der Ministerrat hat dem Entwurf zur Reform der gymnasialen Oberstufe zugestimmt und damit den Weg für die externe Anhörung freigemacht. In Kraft treten sollen die neuen Regelungen zum 1. August 2027 – exakt zu dem Zeitpunkt, an dem der erste G9-Jahrgang die Oberstufe erreicht. Betroffen sind Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und die berufsbezogenen Oberstufen an den Berufsbildungszentren.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot verbindet mit der Reform einen klaren Anspruch: Das Abitur solle nicht nur abbilden, was Schülerinnen und Schüler wissen, sondern auch, was sie damit anzufangen wissen. „Ein modernes Abitur muss nicht nur zeigen, was junge Menschen wissen, sondern auch, was sie mit ihrem Wissen anfangen können: Informationen kritisch prüfen, Zusammenhänge herstellen, sich ein eigenes Urteil bilden und dieses begründet vertreten“, so die Ministerin. Am Leistungsanspruch des Abiturs werde festgehalten, betont sie – verändert werde vielmehr, wie Leistung entsteht und wie sie sichtbar wird.
Herzstück der Neuordnung ist die Struktur der Kurse und Prüfungen. Künftig belegen Schülerinnen und Schüler drei fünfstündige Leistungskurse statt bisher zwei. Mindestens zwei davon müssen Kernfächer sein oder ein Kernfach in Kombination mit einer Naturwissenschaft. Zugleich sinkt die Zahl der Grundkurse von neun auf sieben. Wer möchte, kann darüber hinaus auch Fächer wie Musik, Kunst, Religion oder Sport als Leistungskurs wählen und so eigene Schwerpunkte setzen.
Spürbar verändert sich auch die Prüfungsphase selbst. An die Stelle von fünf regulären Prüfungsfächern treten in der Regel vier, davon drei statt bisher vier schriftliche Prüfungen. Zwei davon werden auf erhöhtem Anforderungsniveau abgelegt. Schriftlich geprüft werden künftig nur noch Fächer mit mindestens drei Wochenstunden, während zweistündige Fächer weiterhin mündlich abgefragt werden können. Schon in der Einführungsphase, der Klassenstufe 11, kommt verbindlicher Vertiefungsunterricht hinzu – nicht als zusätzlicher Stoff, sondern zur Festigung sicherer Grundlagen.
Einen deutlichen Bedeutungszuwachs erfährt die digitale Bildung. Informatik wird beim Stundenumfang mit den Naturwissenschaften gleichgestellt und künftig dreistündig als Grundkurs oder fünfstündig als Leistungskurs unterrichtet. Der reflektierte Umgang mit Künstlicher Intelligenz beim wissenschaftlichen Arbeiten kann in die Leistungsformate einfließen. Parallel dazu rückt die Demokratiebildung stärker in den Fokus: Aus Sozialkunde wird das Fach Politik, das in Klasse 11 nicht mehr abgewählt werden kann, und Geschichte wird künftig dreistündig unterrichtet und für mindestens zwei Halbjahre der Hauptphase abgesichert.
Auch abseits der klassischen Klausur eröffnen sich neue Wege, Leistung zu zeigen. Eine Facharbeit erstreckt sich über ein Halbjahr, die Besondere Lernleistung sogar über zwei und kann fächerübergreifend als Projekt oder Wettbewerbsbeitrag angelegt werden – wahlweise als fünfte Abiturprüfung. Hinzu kommt ein weiteres verbindliches Praktikum in Unternehmen, Handwerksbetrieben, sozialen Einrichtungen, Hochschulen oder Forschungszentren, das enger mit dem fachlichen Lernen verzahnt wird.
Modernisiert werden zudem die beruflichen Oberstufengymnasien. In der Fachrichtung Wirtschaft entsteht das Profilfach „Ökonomie und Management“, in der Technik kommt Mechatronik hinzu, und in Gesundheit und Soziales werden Gesundheit sowie Pädagogik und Psychologie ausschließlich als Leistungskurse angeboten. Bis zum 27. Oktober 2026 läuft nun das externe Anhörungsverfahren, ehe neue Lehrpläne, Handreichungen und Fortbildungen die Umsetzung begleiten.



















