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Angesichts einer alternden Gesellschaft wird die Ausweitung der Erwerbstätigkeit in höhere Alter als eine wichtige Stellschraube gesehen, um dem Fachkräftemangel und Finanzierungslücken im Rentensystem entgegenzuwirken. Neue Zahlen aus einem Forschungsprojekt am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigen jedoch, dass der Anstieg der Erwerbsbeteiligung bei älteren Beschäftigten in den letzten fünf Jahren weitgehend zum Stillstand gekommen ist.

Die vom BiB ausgewerteten Mikrozensus-Daten zur Entwicklung der Erwerbsbeteiligung zeigen, dass die Erwerbstätigenquote im höheren Alter zwischen 2000 und 2015 stark zugenommen hat: Bei 60- bis 64-jährigen Männern hat sich die Erwerbstätigenquote mehr als verdoppelt, bei Frauen im gleichen Alter gab es sogar eine Vervierfachung. Dieser Trend wurde von den zwischen 1940 und 1950 geborenen Personen bestimmt, die länger erwerbstätig waren als die Geburtsjahrgänge vor ihnen. Dazu trugen verschiedene Faktoren bei: „Zum einen gab es politische Reformen, die den längeren Verbleib im Arbeitsmarkt gefördert haben. Gleichzeitig können heute im Vergleich zu früher mehr Tätigkeiten auch noch im höheren Alter ausgeführt werden. Außerdem sind ältere Personen im Durchschnitt gesünder im Vergleich zu früheren Generationen“, erklärt Harun Sulak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB.

Bei den stark besetzten Babyboomer-Jahrgängen, die aktuell auf den Ruhestand zugehen, lassen sich in den letzten Jahren hingegen kaum noch Anstiege bei der Erwerbstätigenquote verzeichnen. Aktuell scheiden viele bereits mit 63 oder 64 Jahren aus dem Arbeitsmarkt aus und damit deutlich vor der Regelaltersgrenze. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die seit 2014 bestehende Möglichkeit des frühzeitigen Rentenbezugs ohne Abschläge für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte „Rente mit 63“.

Im Jahr 2021 erfolgte fast jeder dritte Zugang zur Altersrente über diesen Weg. Darüber hinaus zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, dass in den letzten Jahren vermehrt Personen vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand gehen und hierfür Abschläge bei der Rentenhöhe in Kauf nehmen. Diese Gruppe machte unter allen, die 2021 erstmals eine Altersrente bezogen, etwa ein Viertel aus – im Mittel erfolgte der Rentenzugang bei ihnen knapp 28 Monate vor der Regelaltersgrenze.

Entwicklung gibt aus finanz- und arbeitsmarktpolitischer Sicht Anlass zur Sorge

Die Stagnation des Anstiegs ist angesichts der Größe der Babyboomer-Jahrgänge von hoher Bedeutung. Der vorzeitige Austritt aus dem Erwerbsleben wirkt bei dieser Generation besonders stark auf das volkswirtschaftliche Arbeitsangebot und verstärkt den Mangel an erfahrenen, qualifizierten Arbeitskräften. Noch offen ist die Entwicklung bei den jüngeren nach 1960 geborenen Babyboomern, die momentan auf den Renteneintritt zugehen. Zum einen steigen die Altersgrenzen auch für besonders langjährig Versicherte dynamisch an. Hierdurch müssen nachfolgende Geburtsjahrgänge für diesen Rentenzugang etwas länger arbeiten als vorherige. Zum anderen lässt sich schwer einschätzen, in welchem Umfang auch weiterhin Abschläge zur Regelaltersrente für einen vorgezogenen Ruhestand in Kauf genommen werden.

Die Corona-Pandemie könnte teilweise zu früheren Austritten aus dem Erwerbsleben geführt haben, ein Effekt, der zukünftig weniger bedeutsam sein sollte. Ein weiter zunehmender Fachkräftemangel könnte dahingegen dazu führen, dass durch geeignete Rahmenbedingungen Anreize für längere Erwerbsleben geschaffen werden. „Die stagnierenden Zahlen zeigen, dass die Ausweitung der Erwerbstätigkeit in höhere Alter kein Selbstläufer ist“, resümiert Dr. Elke Loichinger, Forschungsgruppenleiterin am BiB. Um Arbeitskräfte länger im Erwerbsleben zu halten, müssen Anreize deutlich vor dem Eintritt in den Ruhestand erfolgen. “Wenn der Ruhestand erst einmal erfolgt ist, kommen nur wenige ins Erwerbsleben zurück.“

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