Wer in Karlsruhe oder Mannheim ohne Deutschlandticket in Straßenbahn oder Bus steigt, kommt bei der Einzelfahrt günstiger weg als in den meisten anderen deutschen Großstädten. Das belegt ein aktueller Preisvergleich des ADAC, der die Ticketkosten in 25 Städten unter die Lupe genommen hat. Doch der Blick auf die Details zeigt: Je nach Fahrkartenart fallen die Ergebnisse für die beiden nordbadischen Städte sehr unterschiedlich aus – und insgesamt hat sich das Fahren mit dem ÖPNV seit 2021 erheblich verteuert.
Die Einzelfahrkarte kostet in Karlsruhe wie in Mannheim jeweils 3,50 Euro. Damit liegen beide Städte unter dem ermittelten Durchschnittspreis von 3,68 Euro. Zum Vergleich: Am günstigsten fährt man in Erfurt mit 2,90 Euro, am teuersten in Augsburg und München mit jeweils 4,20 Euro. Beide nordbadischen Städte bieten zudem einen Luftlinientarif an, der per App automatisch mit dem klassischen Verbundstarif abgeglichen wird. Fahrgäste zahlen dann jeweils den niedrigeren Preis – ein Modell, das sich nicht überall findet.
Beim Tagesticket trennen sich die Wege der beiden Städte allerdings deutlich. Karlsruhe schneidet hier besonders gut ab: Mit 7 Euro für drei Waben belegt die Fächerstadt den zweiten Platz im gesamten Vergleich, nur Bielefeld ist mit 6,70 Euro noch günstiger. In Karlsruhe rechnet sich das Tagesticket bereits ab zwei Einzelfahrten. Mannheim hingegen verlangt im Stadttarif 9,30 Euro und liegt damit über dem bundesweiten Mittelwert von 8,44 Euro. Berlin bildet mit 11,20 Euro das Schlusslicht. Ein Wermutstropfen betrifft beide Städte gleichermaßen: Ihre Tagestickets gelten nur bis Betriebsschluss, nicht volle 24 Stunden ab Kauf – ein Nachteil gegenüber manch anderer Stadt.
Auch bei den Monatskarten zeigt sich ein gespaltenes Bild. Karlsruhe positioniert sich mit 87 Euro im günstigsten Drittel aller untersuchten Städte. Mannheim liegt mit 103,90 Euro knapp über dem deutschen Durchschnitt von 103,33 Euro. Die Spannweite ist enorm: München verlangt lediglich 71,40 Euro, während Köln und Bonn mit 140,50 Euro die teuersten Monatskarten im Vergleich anbieten. Der Karlsruher Verkehrsverbund hält zudem eine Besonderheit bereit – eine 9-Uhr-Monatskarte ab 67 Euro, die täglich ab 9 Uhr morgens gilt. Beide Städte bieten bei ihren klassischen Monatskarten Zusatzleistungen wie Übertragbarkeit oder Mitnahmeregelungen, die das Deutschlandticket nicht kennt. Wochentickets haben weder Karlsruhe noch Mannheim im Programm.
Über alle drei untersuchten Ticketarten hinweg sind die Preise in Karlsruhe seit 2021 um 26 Prozent gestiegen, in Mannheim sogar um 33 Prozent. Im Schnitt aller 25 Städte ermittelte der ADAC einen Anstieg von 27 Prozent. Die extremsten Ausschläge verzeichneten Duisburg mit einem Plus von 58 Prozent bei der Monatskarte und Frankfurt mit 45 Prozent beim Tagesticket. Die Fahrgastzahlen nähern sich derweil wieder dem Vor-Corona-Niveau, was den Druck auf die Verkehrsverbünde erhöht, ihre Tarife attraktiv zu halten.
Das Deutschlandticket, aktuell für 63 Euro erhältlich, hat das Preisgefüge im Nahverkehr grundlegend verschoben. Wer regelmäßig pendelt oder in verschiedenen Städten unterwegs ist, fährt damit in der Regel am besten. Für Gelegenheitsfahrer lohnt sich dagegen ein genauer Blick auf die lokalen Tarife. Der ADAC sieht die Verkehrsverbünde nun in der Pflicht, ihre Angebote grundlegend zu überdenken. Nachdem Bund und Länder den Fortbestand des Deutschlandtickets mindestens bis 2030 gesichert haben, bestehe erstmals echte Planungssicherheit. Diese Gelegenheit sollten die Verbünde nutzen, um ihre Tarifstrukturen so zu gestalten, dass sie den unterschiedlichen Bedürfnissen der Fahrgäste tatsächlich gerecht werden.
Der ADAC hatte für seinen Vergleich Anfang 2026 die Ticketpreise auf den Webseiten der Verkehrsverbünde erhoben und die Daten anschließend manuell überprüft. Neben den 21 Städten aus früheren Erhebungen kamen diesmal Augsburg, Erfurt, Magdeburg und Rostock hinzu, um drei zusätzliche Bundesländer abzudecken. Auswahlkriterium war grundsätzlich eine Einwohnerzahl von mindestens 300.000 sowie ein schienengebundener Nahverkehr.




















