Kaufkraftverluste durch hohe Preissteigerungen insbesondere bei Energie und Lebensmitteln als Folge des Ukraine-Kriegs, fortdauernde Lieferkettenprobleme, schwacher Euro und die zusätzliche geopolitische Unsicherheit rund um Taiwan führen dazu, dass die Rezessionswahrscheinlichkeit in Deutschland hoch bleibt. Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung für den Zeitraum von August bis Ende Oktober.

Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei Monaten in eine Rezession gerät, ist zwar zuletzt marginal zurückgegangen: von 58,1 Prozent Anfang Juli auf jetzt 57,8 Prozent. Die statistische Streuung, ein Maß für die Unsicherheit von Wirtschaftsakteuren, hat sich kaum verändert und liegt aktuell bei 19,9 Prozent. Doch unter dem Strich bleibt das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarninstrument auf „rot“ und signalisiert so weiterhin ein akutes Rezessionsrisiko.

Der geringfügige Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit beruht auf einer leichten Verbesserung einiger Finanzindikatoren. So sind die Aktienkurse im Juli gestiegen und die Risikoprämien, die Unternehmen anhand von Kreditausfallversicherungen zugeordnet werden, leicht zurückgegangen, was für etwas verbesserte Finanzierungsbedingungen sorgt. Leicht entspannt hat sich auch der „Finanzmarktstress“, den das IMK aus einem breiten Kranz von Finanzindikatoren berechnet. Demgegenüber trübte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und bei Verbrauchern ein, was einen nennenswerten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit verhindert.

„Die aktuellen Ergebnisse untermauern die Forderung an die Wirtschaftspolitik, nicht zu lange mit zielgerichteten, weiteren Entlastungen zu warten“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Insbesondere die neue Umlage für Erdgas ab Oktober und das Auslaufen temporärer Maßnahmen im September werden die Inflation weiter treiben. Entsprechend stark droht auch der Kaufkraftverlust der Haushalte in der zweiten Jahreshälfte auszufallen, wenn nicht gegengesteuert wird.“

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt. Der Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.

Originalpublikation: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-konjunkturampel-15362.htm

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