In der politischen Debatte über die Kosten der Energiewende klaffen Wahrnehmung und Wirklichkeit oft weit auseinander. Eine neue Kurzstudie, die der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) NRW bei der enervis energy advisors GmbH in Auftrag gegeben hat, legt nun Zahlen vor, die vieles von dem relativieren, was gemeinhin unter dem Schlagwort der Milliardenförderung diskutiert wird. Das Ergebnis: Neue Wind- und Solaranlagen benötigen deutlich weniger finanzielle Unterstützung als ältere Bestandsanlagen.
Für die untersuchten Neuanlagen beziffert die Analyse den erwarteten jährlichen EEG-Aufwand auf rund 400 Millionen Euro. Dem gegenüber steht das bestehende Anlagenportfolio, dessen Kosten die Studie auf etwa 14,8 Milliarden Euro pro Jahr veranschlagt. Dieser gewaltige Unterschied, so machen die Autoren deutlich, erklärt sich im Wesentlichen durch die früher deutlich höheren Vergütungsniveaus.
Für die Berechnung nahmen die Fachleute Windenergieanlagen an Land sowie Photovoltaik auf Freiflächen und Dächern unter die Lupe. Einbezogen wurden jene Projekte, die seit Anfang 2025 einen Zuschlag erhalten hatten und zum Stichtag am 18. August 2026 noch nicht ans Netz gegangen waren. Als Basis diente das Marktwertniveau des Jahres 2025.
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), sieht in den Ergebnissen ein starkes Argument für mehr Differenzierung. „Wer über die Kosten der Energiewende spricht, muss zwischen früheren Vergütungsniveaus und dem heutigen Förderrahmen unterscheiden“, betont sie. Die Zahlen belegten, dass neue Anlagen pro erzeugter Kilowattstunde erheblich weniger Unterstützung benötigten als der Bestand. „Eine Argumentation mit den EEG-Gesamtzahlungen ist kein geeigneter Maßstab für die tatsächlichen Kosten des heutigen Zubaus.“
Wie stark sich die wirtschaftlichen Bedingungen verschoben haben, zeigt der Blick auf die spezifischen Kosten je Kilowattstunde. Besonders günstig schneidet die Freiflächen-Photovoltaik ab: Hier liegt der Wert laut Studie bei lediglich 0,43 Cent. Windenergie an Land kommt auf 0,61 Cent, während Aufdach-Photovoltaik mit 2,24 Cent zu Buche schlägt. Verantwortlich für diese niedrigen Zahlen sind gesunkene Zuschlagswerte in den Ausschreibungen und die Erlöse, die am Strommarkt erzielt werden.
Für Heinen-Esser hat sich die Rolle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes damit grundlegend verändert. „Das EEG hat sich vom Förderregime längst in ein Instrument zur Absicherung von Investitionen gewandelt“, erklärt sie. Entscheidend für die künftige Planung sei allein, welcher zusätzliche Finanzierungsbedarf durch den weiteren Ausbau tatsächlich entstehe. Wer stattdessen die gesamten EEG-Zahlungen pauschal heranziehe, blende die veränderte wirtschaftliche Realität aus. Ihre Forderung lautet daher, bestehende Verpflichtungen, aktuelle Marktwerte und die realen Kosten des Zubaus künftig klar getrennt voneinander zu bewerten.





















