Wenn Fotografie aufhört, bloß abzubilden, und stattdessen beginnt zu malen, entsteht jene besondere Bildsprache, die Seung-Ja Kim-Leutiger seit Jahren entwickelt. Am Sonntag, dem 31. Mai 2026, öffnet die galerie m beck im historischen Schwedenhof zu Homburg-Schwarzenacker um 16 Uhr ihre Türen für eine Schau, die Natur nicht als Kulisse versteht, sondern als seelischen Resonanzraum. Unter dem Titel „Die Natur als Ursprung und Archetyp“ versammelt die Ausstellung fünf künstlerische Handschriften, die sich auf ganz eigene Weise dem ältesten Bildthema der Kunst nähern.
Im Zentrum steht die Arbeit von Seung-Ja Kim-Leutiger, deren Werdegang zwischen Seoul und Deutschland verläuft. Nach ihrem Fotografie-Studium am Seoul Institute of Arts und an der Sangmyong University führte sie ihr Weg an die Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld, wo sie Fotodesign und Medienkunst studierte. Es folgte ein Aufbaustudium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bei Prof. Andrei Ujică. Stationen in der Mediathek des ZKM und bei der Stuttgarter Medienagentur Milla & Partner schärften ihren Blick ebenso wie ihre Lehrtätigkeit in Südkorea.
Aus dieser doppelten kulturellen Verwurzelung erwächst eine Position, die Licht, Farbe und Atmosphäre zu poetischen Bildräumen verdichtet. Gegenstände lösen sich aus ihrer dokumentarischen Funktion und werden zu Trägern von Erinnerung und Empfindung. Die Bilder erzählen leise vom Geist eines Ortes, sie balancieren zwischen fotografischer Präzision und atmosphärischer Offenheit – stille Erzählungen über Wahrnehmung und Raum.
Andrea Armbrüster verschränkt in ihren Fotografien das Dokumentarische mit dem Abstrakten. Aus intensiven Reise- und Arbeitserfahrungen speist sich eine Bildsprache, die Landschaft nicht nur registriert, sondern atmosphärisch zuspitzt. Ihre Aufnahmen bewegen sich im Zwischenraum von Beobachtung und Erinnerung und öffnen neue Sichtachsen auf das vermeintlich Vertraute.
Einen körperlich-direkten Zugang wählt Kerstin Sokoll. Für sie ist Natur weniger Motiv als Energie, weniger Abbild als Bewegung. Mit Rakel und Spachtel schiebt, bricht und verdichtet sie Farbe auf der Fläche; zwischen freier Geste und gesetzter Form entstehen dynamische Kompositionen, die durch raumgreifende Objekte ihre Fortsetzung finden. Die britische Künstlerin Jane Walker wiederum reduziert die Landschaft auf Linie, Struktur und Rhythmus. Aus genauer Beobachtung schöpft sie abstrakte Bildräume, in denen Horizont und Bewegung als Empfindung erhalten bleiben.
Hans G. Schellenberger schließlich, dessen Werk die Schau in einen historischen Bogen einbettet, hat sich zeitlebens der Landschaft gewidmet – allerdings jenseits jeder klassischen Naturdarstellung. Bei ihm löst sich das Gegenständliche auf, übrig bleiben freie malerische Strukturen, in denen Natur als innere Erinnerung erscheint. So spannt die Ausstellung einen Bogen zwischen Sichtbarkeit und Empfindung, zwischen Wirklichkeit und Transformation.
Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 3. Juli 2026 in der galerie m beck, Am Schwedenhof 4 in Homburg-Schwarzenacker, gegenüber dem Römermuseum. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags von 11 bis 18 Uhr sowie freitags von 11 bis 14 Uhr, weitere Termine sind nach Vereinbarung möglich.





















