Metallene Muskeln, die wie elektrisch aktivierte Antriebe arbeiten, und Klimaanlagen, die ganz ohne schädliche Kältemittel auskommen: Was nach ferner Zukunft klingt, ist das Forschungsfeld von Paul Motzki. Seit dem 5. Oktober 2026 trägt er an der Universität des Saarlandes den Titel Professor für Smart Materials & Systems – eine Stiftungsprofessur, die von der saarländischen Metall- und Elektroindustrie über die Stiftung ME Saar für vier Jahre getragen wird.
Im Zentrum seiner Arbeit stehen sogenannte Formgedächtnislegierungen. Gemeinsam mit seinem Team setzt Motzki diese Werkstoffe als eine Art künstliche Muskeln in robotischen Systemen und Antrieben ein. Hinzu kommen Polymerwerkstoffe wie silikonbasierte dielektrische Elastomere, die er in multifunktionale Systeme integriert. So sollen etwa körpernah getragene Sensoren und Aktoren künftig als Schnittstelle zwischen Mensch und digitaler Welt dienen.
Besonders intensiv widmet sich der Wissenschaftler der Elastokalorik, einer noch jungen Klimatechnologie, bei der er als einer der Pioniere gilt. Der praktische Nutzen ist handfest: energieintensive Druckluftsysteme in der industriellen Produktion durch sparsamere Alternativen ersetzen oder Kältemaschinen entwickeln, die ohne umweltschädliche Kältemittel funktionieren. Für ein Projekt zu neuartigen Kühlsystemen, die sich eines Tages sogar in Textilien einarbeiten lassen sollen, erhält Motzki einen ERC Starting Grant.
Doch der Professor denkt nicht allein in Grundlagenforschung. Er will Ergebnisse bis zur Technologiereife führen und ihren Weg in die Anwendung begleiten. Dabei unterstützt ihn eine Förderung des Europäischen Innovationsrats (EIC), und er hat bereits mehrere Startups mitgegründet. Diese Verbindung von Wissenschaft und Praxis spiegelt sich auch in seiner Rolle als wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Landesinstituts ZeMA – dem Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik, das sich derzeit zum Saarland Engineering Institute (SEI) weiterentwickelt.
Innerhalb der Universität schlägt Motzki mit seiner Professur eine Brücke zwischen den Disziplinen. Er gehört sowohl zum Systems Engineering als Hauptfachrichtung als auch zur Materialwissenschaft und Werkstofftechnik und verknüpft damit die Materialforschung mit Maschinenbau und Elektrotechnik.
Seinen akademischen Weg ging Motzki vollständig im Saarland: Bachelor, Master und Promotion in Mechatronik und Systems Engineering absolvierte er an der Universität des Saarlandes. Seit 2018 leitet er am ZeMA den Forschungsbereich Smarte Materialsysteme, seit 2022 hatte er bereits eine Professur nach Thüringer Modell inne. Darüber hinaus engagiert er sich in zahlreichen Fachgremien, etwa als Vorsitzender des VDI/VDE-Fachausschusses „Intelligente Materialien und Systeme“ und als Mitbegründer und Vizepräsident der International Elastocalorics Society.
Für die Stiftung ME Saar ist die neue Professur ein Baustein, der weit über den Hörsaal hinausreicht. „Wissenschaftliche Exzellenz ist ein wichtiger Faktor für Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Deshalb freuen wir uns, dass wir mit der Stiftungsprofessur im Bereich smarter Materialsysteme einen wichtigen Beitrag für die Grundlagenforschung leisten können“, sagt Oswald Bubel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Seit 2001 fördert die Einrichtung Projekte aus Bildung, Wissenschaft und Kultur – mit einem klaren Schwerpunkt auf den Ingenieurwissenschaften und der Sicherung von Fachkräften für die Unternehmen der Region.





















