Symbolbild

Immer mehr Kinder in Deutschland tun sich schwer damit, was für frühere Generationen selbstverständlich war: laufen, balancieren, klettern oder nach einem Ball greifen. Eine aktuelle Datenauswertung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse zeichnet ein deutliches Bild. Im Jahr 2024 wurde bei Sechs- bis 18-Jährigen 32 Prozent häufiger eine motorische Bewegungsstörung diagnostiziert als noch zehn Jahre zuvor. Bei den 15- bis 18-Jährigen kletterte die Steigerungsrate sogar auf 67 Prozent.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Probleme nicht nur zunehmen, sondern auch früher auftreten. Bei den Sechs- bis Zehnjährigen ist inzwischen jedes 18. Kind von Defiziten der Grob- und Feinmotorik betroffen. 2014 war es in dieser Altersgruppe noch jedes 22. Kind. Gerade in dieser Lebensphase sollten Kinder eigentlich unbeschwert toben, auf dem Trampolin hüpfen, malen oder puzzeln können.

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Doch der Alltag vieler Heranwachsender sieht heute anders aus. Statt draußen zu spielen, sitzen Kindergarten- und Schulkinder oft stundenlang passiv vor Handy, Computer oder Fernseher. Die Bildschirme allein sind jedoch nicht der einzige Grund. „Viele Kinder haben heute mit Schule, Hausaufgaben und Terminen am Nachmittag einen durchgetakteten Alltag, der kaum Zeit für freies Bewegungsspiel lässt“, sagt KKH-Sportwissenschaftler Justin Onyechi.

Ein weiterer Faktor sei die dichte Bebauung und der Verkehr in Wohngebieten. „Nicht mal in ausgewiesenen Spielstraßen finden Kinder genug Platz und Ruhe, um mit Gleichaltrigen gefahrlos Seil zu springen, Hüpfkästchen oder Brennball zu spielen“, erklärt Onyechi. Hinzu komme die Sorge mancher Eltern, dem Kind könne auf dem Schulweg oder beim Spielen im Freien etwas zustoßen. Sein Appell: „Eltern sollten unbedingt zulassen, dass ihr Kind seinen natürlichen Bewegungstrieb ausleben und seine Umwelt ungehindert entdecken kann. Denn die aktiven Kinder von heute sind die aktiven Erwachsenen von morgen.“

Dabei ist Bewegung weit mehr als bloß Sport. Sie fördert nachweislich die Konzentration, baut Stress ab und verschafft Erfolgserlebnisse, die das Selbstvertrauen stärken. Auch soziale Kompetenzen wie Rücksicht, Respekt und Teamgeist entstehen im gemeinsamen Spiel mit Gleichaltrigen. Nicht zuletzt sinkt mit regelmäßiger Aktivität das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden, Adipositas oder Diabetes.

Entscheidend sei, Kindern früh Freude an Bewegung zu vermitteln – mindestens eine Stunde körperliche Aktivität pro Tag gilt als Minimum. Eltern kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, betont der Experte. „Das fängt beim Treppensteigen statt Fahrstuhl nutzen an, schließt das aktive Sporttreiben mit der Familie oder im Verein ein und reicht bis zum kontrollierten Umgang mit Medien.“

Zeigt ein Kind über längere Zeit einen wankenden Gang, stolpert häufig oder greift ungeschickt nach Gegenständen, rät Onyechi zum Besuch einer Kinderarztpraxis. Häufig fallen solche Auffälligkeiten bei den U-Untersuchungen auf. Die Ursachen können genetisch bedingt sein oder auf ein Nervenleiden hindeuten. Wird eine Störung erkannt, helfen Krankengymnastik und Ergotherapie – unbehandelt drohen dagegen lebenslange Probleme.

Um dem Trend zu begegnen, setzt die KKH auf frühe Prävention. Ihr Programm „Fitness für Kids“ wird seit 20 Jahren in Kitas von qualifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern durchgeführt. Mit kindgerechten Übungen sollen Bewegungspotentiale von klein auf entfaltet und die Startbedingungen für den Schuleintritt verbessert werden. Für die Auswertung wertete die Kasse bundesweit anonymisierte Daten ihrer sechs- bis 18-jährigen Versicherten mit der Diagnose F82 nach ICD-10 aus. Fast 5.800 Kinder und Jugendliche waren 2024 betroffen, darunter mehr als 4.100 Jungen und gut 1.600 Mädchen.

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