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Wie kann die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine am besten gestaltet werden? Dieser Frage widmen sich die Paderborner Wissenschaftler Prof. Dr. René Fahr und Marius Protte vom Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn gemeinsam mit Prof. Dr. Daniel Quevedo von der Queensland University of Technology

Vergangene Studien haben gezeigt, dass Menschen ihre Fähigkeiten oft erheblich überschätzen, wenn es um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine geht. Um herauszufinden, wie sich die besten Ergebnisse für den menschlichen Nutzer erzielen lassen, hat das internationale Forscherteam Untersuchungen im Bereich menschlicher cyber-physischer Systeme angestellt. „Viele Systeme und Maschinen sind zwar von Menschen für Menschen entwickelt und hergestellt worden, sie berücksichtigen menschliches Verhalten in vielen Fällen jedoch nicht“, so Prof. Dr. Quevedo von der TU Queensland in Brisbane, Australien. „Oft liegt das Problem aber nicht bei dem System oder der Maschine an sich, sondern bei uns Menschen, da wir die Systeme nicht richtig verstehen und bedienen können. Wir dürfen hierbei allerdings nicht die Menschen für ihr Handeln beschuldigen, sondern müssen die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine effizienter gestalten.“

Um diesem Ziel näher zu kommen, haben die Forscher eine Studie durchgeführt, in der Probanden Entscheidungen in dem Szenario einer von einem Menschen gesteuerten Drohne zur Verkehrsüberwachung treffen mussten. Mithilfe dieser Studie haben sie herausgefunden, dass die Steuerung durch den Drohnen-Piloten schlechter wurde, je mehr Rückmeldung er über die Präzision der Überwachungsaufnahmen erhalten hat. Diese Erkenntnisse stehen im direkten Gegensatz zu dem Lernverhalten von Maschinen, deren Leistung durch direktes und häufiges Feedback stetig besser wird. Weiterhin konnten die Wissenschaftler herausfinden, dass Menschen dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen, sobald sie in einer bestimmten Sache erfolgreich waren. „Das wirft natürlich unweigerlich die Frage auf, welche Informationen Menschen dann noch erhalten sollten, damit sie fortlaufend gute Entscheidungen treffen. Sollte man ihnen jedes Mal, wenn sie erfolgreich waren, eine positive Rückmeldung geben oder sollte man solche Informationen unter gewissen Umständen besser zurückhalten?“, so Prof. Dr. Fahr vom Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn.

„Ein gutes Beispiel ist ein GPS-Navigationsgerät, das dem Fahrer verschiedene Routen zu einem bestimmten Ziel vorschlägt“, erklärt Fahr weiter. „Der Computer kann die schnellste Route berechnen, indem er auch Faktoren wie ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf einer Strecke in seine Rechnungen inkludiert. Trotz der Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren durch den Computer hat der Fahrer möglicherweise eine bevorzugte Route oder eine, von der er denkt, sie sei schneller. Hierbei hat er jedoch äußere Faktoren nicht berücksichtigt. Das Problem besteht also darin, abzuwägen, welche Faktoren eine Maschine preisgibt, um ein bestimmtes menschliches Verhalten hervorzurufen.“

Laut der Forschungsgruppe werden Fragen wie diese in den kommenden Jahren immer wichtiger, da sich die Interaktion zwischen Mensch und Maschine immer häufiger auch zu einem Teil von unserem alltäglichen Leben entwickelt. Ein Beispiel, das gegenwärtig öfters vorkomme, seien Arbeitsplätze, an denen autonome Roboter Hand in Hand mit Menschen arbeiten. Quevedo erklärt hierzu: „Cybertechnologie ist bereits jetzt Teil unserer Lebenswelt und wird in Zukunft immer weiter verbreitet sein. Aus diesem Grund müssen wir verstehen, wie Menschen und Maschinen miteinander agieren. Häufig ist es nämlich der menschliche Einfluss, der zu einem Engpass führt.“

Weitere Informationen: www.upb.de

Text: Prof. Dr. René Fahr

 

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