Künstliche Intelligenz hinter dem Behördenschreibtisch – was vor wenigen Jahren noch Skepsis ausgelöst hätte, findet in der Bevölkerung inzwischen breite Zustimmung. Sieben von zehn Menschen in Deutschland begrüßen es mittlerweile, wenn bei der Bearbeitung ihrer Anträge KI zum Einsatz kommt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 63 Prozent. Die Technologie verliert ihren Schrecken, und die Erwartungen an eine moderne Verwaltung steigen rapide.
Besonders bemerkenswert ist der wachsende Vertrauensvorschuss: Zwölf Prozent der Befragten wären bereit, Prüfung und Entscheidung über ihren Antrag vollständig einer KI zu überlassen – fast doppelt so viele wie noch 2025, als nur sieben Prozent so weit gehen wollten. Ein knappes Viertel wünscht sich ein Zusammenspiel, bei dem die Maschine prüft und ein Mensch das letzte Wort behält. Lediglich 26 Prozent möchten ihren Antrag noch gänzlich ohne digitale Unterstützung bearbeitet wissen. Diese Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von 1.004 Personen, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat.
„KI ist die digitale Schlüsseltechnologie unserer Zeit, und Verwaltungen können massiv davon profitieren“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Die Technologie könne Anträge prüfen, Unterlagen auswerten und weit mehr leisten als nur Routinearbeit. Entscheidend sei, dass die Menschen den Einsatz ausdrücklich befürworten. Wie der Staat mithilfe von KI schneller und zugleich bürgerfreundlicher werden kann, zählt deshalb zu den zentralen Themen der Smart Country Convention, die vom 13. bis 15. Oktober 2026 auf dem Berliner Messegelände stattfindet.
Mit der Digitalisierung wächst auch der Anspruch an eine Verwaltung, die mitdenkt. Fast drei Viertel der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger wünschen sich Behörden, die von selbst aktiv werden – etwa wenn Kindergeld oder Bafög zusteht oder ein Ausweis demnächst abläuft. Ein Teil möchte dabei lediglich informiert werden, andere wollen gefragt werden, ob sie eine Leistung in Anspruch nehmen, und elf Prozent fänden es am besten, wenn die Behörde den Antrag gleich selbst stellt. „Der Staat weiß, wann ein Ausweis abläuft und wem eine Leistung zusteht. Er sollte dieses Wissen nutzen und von sich aus aktiv werden“, so Rohleder. Transparenz spielt ebenfalls eine große Rolle: 85 Prozent möchten den Bearbeitungsstand ihres Antrags jederzeit online einsehen können.
Auf kommunaler Ebene zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Zwar hält mit 53 Prozent eine knappe Mehrheit die eigene Stadt oder Gemeinde für digital fortgeschritten, doch die Einschätzungen driften an den Rändern zunehmend auseinander. Ein Viertel sieht die eigene Kommune mittlerweile als sehr fortgeschritten, während 19 Prozent sie für sehr rückständig halten. Die Klagen über lange Bearbeitungszeiten gehen zwar zurück, bleiben mit 74 Prozent aber auf hohem Niveau. Das Tempo reicht vielen nicht: 91 Prozent fordern, dass ihre Verwaltung die Digitalisierung mit mehr Nachdruck vorantreibt – ein Höchstwert seit 2019.
Dass Deutschland dabei über den Tellerrand blicken sollte, finden drei Viertel der Befragten. Als Vorbild dient in diesem Jahr Portugal, das offizielles Partnerland der Convention ist. „Diese Partnerschaft spiegelt die enge Zusammenarbeit zwischen Portugal und Deutschland bei der Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung wider“, erklärt Philomène Dias, Vorstandsmitglied von AICEP Portugal & Invest. Die Veranstaltung selbst wächst weiter: Mehr als 23.000 Teilnehmende, über 600 Aussteller und erstmals drei ausgebuchte Messehallen erwartet Messe-Berlin-Chef Dr. Mario Tobias. Neu ist in diesem Jahr der Resilience Day am 15. Oktober, der sich dem Thema Widerstandsfähigkeit im Krisenfall widmet.



















