Symbolbild

Es ist ein Kapitel der NS-Geschichte, das über Jahrzehnte hinweg im Schatten stand: die systematische Verfolgung homosexueller Menschen zwischen 1933 und 1945. Genau diesem lange verdrängten Thema widmen die Naturfreunde Saarland am 9. Oktober einen Abend im Naturfreundehaus Kirkel. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt kostet nichts.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Verfolgt – Vertrieben – Vernichtet“, mit der sich der Landesverband immer wieder den Opfergruppen des Nationalsozialismus zuwendet. Dass gerade Homosexuelle innerhalb dieser Reihe so spät thematisiert werden, spiegelt eine historische Wahrheit wider: Ihr Leid blieb über Jahrzehnte weitgehend unbeachtet.

Anzeige

In den Konzentrationslagern trugen sie den rosa Winkel, doch eine öffentliche Anerkennung als Verfolgte des NS-Regimes erhielten sie erst sehr spät. Als vergleichsweise kleine Gruppe fielen ihre Schicksale lange durch das Raster der Erinnerungskultur – ein Umstand, den der Themenabend bewusst korrigieren will.

Für den fachlichen Rahmen sorgt der Historiker Dr. Burkhard Jellonnek, ein ausgewiesener Kenner der Materie. Er promovierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster über die Homosexuellenverfolgung im Dritten Reich und gehört zu den Mitinitiatoren der Gedenkstätte „Neue Bremm“. Durch den Abend führt Dieter Burgard, früher Beauftragter für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen in Rheinland-Pfalz und heute Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte KZ Hinzert.

Die Veranstalter setzen dabei nicht allein auf den Blick zurück. Vor dem Hintergrund der leidvollen Erfahrungen in Deutschland und im damaligen Saargebiet sollen ausdrücklich Verbindungen zur Gegenwart gezogen werden. Diskriminierung und Anfeindungen gegenüber schwulen, lesbischen und queeren Menschen sind längst kein abgeschlossenes Kapitel, und so geht es an diesem Abend auch um Strategien gegen Homophobie – etwa dort, wo sie in rechtsextremen Kreisen befeuert wird.

Damit die Anwesenden nicht nur zuhören, sondern selbst zu Wort kommen, ist reichlich Raum für Austausch und Diskussion eingeplant. Getragen wird die Veranstaltung vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der „Partnerschaft für Demokratie“ des Saarpfalz-Kreises. Ideelle Unterstützung kommt vom LSVD – Verband Queere Vielfalt.

Anzeige
💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein