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Ein guter Überblick über die eigene Krankengeschichte ist keine Selbstverständlichkeit – und für viele Menschen in Deutschland offenbar auch keine Realität. Wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse zum Welttag der Patientensicherheit zeigt, hat jeder fünfte Befragte im Alter zwischen 18 und 70 Jahren keine Ärztin und keinen Arzt, die den gesamten Krankheitsverlauf kennen und die Behandlung koordinieren.

„Damit fehlt einem Fünftel der Befragten eine zentrale Anlaufstelle, die den Überblick über ihre gesundheitliche Versorgung behält“, sagt Vijitha Sanjivkumar aus dem Kompetenzteam Medizin und Expertin für Patientensicherheit bei der KKH. Gerade wer wegen einer Erkrankung von mehreren Medizinern behandelt wird, ist auf eine gute Abstimmung angewiesen – und genau hier hakt es oft.

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Die Zahlen aus dem Versorgungsalltag sprechen eine deutliche Sprache. 61 Prozent der Befragten waren in den vergangenen drei Jahren wegen gesundheitlicher Beschwerden bei mehr als einem Arzt in Behandlung, etwa erst beim Hausarzt und danach in einer Facharztpraxis. Von diesen Patientinnen und Patienten mussten 43 Prozent ihre Krankengeschichte oder ihre Medikation mehrfach erklären. Jeder Dritte erhielt sogar widersprüchliche Empfehlungen.

Dazu kommen weitere Reibungsverluste im System: 30 Prozent hatten den Eindruck, ihr behandelnder Arzt sei über die bisherige Behandlung nicht ausreichend informiert gewesen. Bei jedem Vierten lagen beim Termin nicht alle Befunde oder Arztbriefe vor. Bei 21 Prozent war zeitweise unklar, wer den nächsten Behandlungsschritt übernehmen sollte, und bei 16 Prozent kam es zu einer unnötigen Doppeluntersuchung. Immerhin knapp ein Drittel blieb von all diesen Problemen verschont.

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An dieser Stelle setzen die Pläne der schwarz-roten Koalition an. Ein verbindliches Primärversorgungssystem soll dafür sorgen, dass sich Patientinnen und Patienten künftig in der Regel zunächst an eine Hausarztpraxis wenden. Dort wird der individuelle Bedarf eingeschätzt und die weitere Versorgung bei Bedarf koordiniert – etwa über eine gezielte Überweisung mit einem Termin innerhalb einer festgelegten Frist. Ergänzend ist eine einheitliche, onlinegestützte Ersteinschätzung von Beschwerden vorgesehen, die bereits vor dem Praxisbesuch Orientierung geben soll. Greifen soll das neue System voraussichtlich 2028.

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„Patientensicherheit darf nicht nur davon abhängen, wie gut einzelne Patientinnen und Patienten selbst ihre Behandlung organisieren können“, betont Sanjivkumar. Es brauche Strukturen, die Orientierung und Koordination in der Versorgung verankerten. Die KKH drängt deshalb darauf, die geplante Neuordnung schnellstmöglich gesetzlich auf den Weg zu bringen.

„Ein gut ausgestaltetes Primärversorgungssystem sollte Patientinnen und Patienten vor allem dabei unterstützen, schnell und unkompliziert die für sie passende medizinische Versorgung zu finden“, erklärt Stephanie Engelmann, Vorstandsmitglied bei der KKH. Digitale Lösungen wie eine elektronische Überweisung oder eine gemeinsame Terminplattform könnten dafür sorgen, dass nach der Ersteinschätzung zeitnah ein passender Termin folgt. Auch die Kompetenzen weiterer Gesundheitsfachberufe wie Physician Assistants oder nichtärztlicher Praxisassistenten sollten stärker genutzt werden.

Besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen sind häufig auf mehrere Ärzte und unterschiedliche Angebote angewiesen. Der Welttag der Patientensicherheit steht in diesem Jahr deshalb unter dem Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“. Der seit 2019 jährlich ausgerichtete Aktionstag gehört zu den globalen Gesundheitstagen der Weltgesundheitsorganisation.

Neben besseren Strukturen sieht Engelmann auch die Krankenkassen selbst in der Pflicht, ihre Versicherten durch das System zu lotsen. Da bei ihnen die Versorgungs- und Abrechnungsdaten zusammenlaufen, könnten sie passende Angebote gezielt identifizieren. „Eine sichere Versorgung braucht beides: gute Strukturen im Gesundheitssystem und eine individuelle Begleitung der Menschen“, so die KKH-Vorständin. Gerade chronisch Erkrankte profitierten, wenn Informationen, Behandlung und Unterstützungsangebote besser zusammengeführt würden.

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