Die htw saar bekommt Verstärkung für ein Zukunftsthema: Dr. rer. cur. Andrea Kuhn übernimmt ab dem 15. Oktober 2026 die Professur für Angewandte Pflegewissenschaften und wird damit die Fakultät für Sozialwissenschaften bereichern. Ihr Einstieg fällt in eine Phase, in der die akademische Pflege hierzulande erst allmählich den Stellenwert erhält, den sie international längst besitzt. Vor ihrem Wechsel an die saarländische Hochschule vertrat Kuhn die Professur Pflegewissenschaft mit Schwerpunkt Klinische Pflege über die Lebensspanne an der Universität Trier und leitete das Forschungsnetzwerk Gesundheit an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen.
Ihr Werdegang ist fest in der Praxis verankert. Bevor Kuhn ihre akademische Laufbahn einschlug, sammelte sie langjährige Erfahrung in der Intensivpflege an Kliniken der Maximalversorgung. An der Evangelischen Hochschule Darmstadt studierte sie zunächst Pflege und Gesundheitsförderung, später Pflegewissenschaft. Ihre Promotion legte sie an der Vinzenz Pallotti University Vallendar ab. Die Dissertation widmet sich dem ethischen Mandat von Pflegekammern und verknüpft die Professionsentwicklung mit der ethischen Dimension des Heilberufs, woraus sie eine Programmtheorie zur Gesundheitsförderung ableitet.
Inhaltlich bewegt sich Kuhn an den Schnittstellen von Professionalisierung, Pflegeethik, Gesundheitspolitik und Gesundheitsförderung. Sie fragt danach, wie diese Felder einander bedingen und welche Ressourcen sie stützen, stets mit dem Ziel, wirkungsvolle und zugleich praxistaugliche Programme für die pflegerische Versorgung zu entwickeln. Ein weiterer Fokus liegt auf der Beschäftigungsfähigkeit professionell Pflegender, auf neuen Arbeitsformen und der heilberuflichen Expertise. Deren Stärkung, so ihr Ansatz, müsse Hand in Hand mit der Organisationsentwicklung von Kliniken und Pflegeeinrichtungen gehen, damit am Ende sowohl die Beschäftigten als auch die Menschen mit Pflegebedarf profitieren.
Eine zentrale Aufgabe erwartet Kuhn beim Aufbau des neuen primärqualifizierenden Studiengangs Pflege, der zum Wintersemester 2027/28 an der htw saar starten soll. Studierende erwerben dort pflegewissenschaftliche und heilkundliche Kompetenzen, um hochkomplexe Pflegeprozesse zu steuern und zu gestalten. Der Studiengang verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit Fachkompetenz und kritischer Reflexion und schließt mit dem Bachelor of Science sowie der staatlichen Prüfung zur Berufszulassung als Pflegefachperson ab. Für die gesamte Studiendauer erhalten die Studierenden eine Vergütung.
Absolventinnen und Absolventen sollen künftig eine Lücke schließen, die in der Pflege oft beklagt wird: den Abstand zwischen Theorie und Praxis. Sie werden darauf vorbereitet, die Bevölkerung fachlich korrekt und menschenwürdig zu versorgen und zugleich den Heilberuf Pflege im Gesundheitssystem weiterzuentwickeln. Damit reagiert die Hochschule auf ein Potenzial, das in Deutschland bislang weitgehend ungenutzt bleibt, während es international wissenschaftlich belegt und politisch anerkannt ist.
Für ihre neue Rolle hat sich Kuhn drei Schwerpunkte vorgenommen. Sie will ein modernes Skills-Lab für praxisnahe, simulationsbasierte Lehr-Lern-Formate etablieren. Zudem soll ein nachhaltiges Kooperationsnetzwerk mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen entstehen, das sie aufbaut, koordiniert und weiterentwickelt. Und schließlich will sie die hochschulische Pflegeausbildung wissenschaftlich begleiten, die sie als wesentlichen Baustein für eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung im Saarland versteht. Beim Kennenlerngespräch im Ministerium der Finanzen und für Wissenschaft wurde die Weichenstellung am 30. September bereits besiegelt.



















