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Eine neue Studie aus Griechenland bringt Bewegung in eine Debatte, die bislang vor allem von Modellrechnungen bestimmt wurde. Der Branchenverband Pharma Deutschland verlangt von der Europäischen Kommission, die Umsetzung der sogenannten Erweiterten Herstellerverantwortung umgehend auf Eis zu legen und von Grund auf neu zu prüfen. Grundlage dieser Forderung sind reale Messdaten aus zwei griechischen Kläranlagen, die ein deutlich anderes Bild zeichnen als die bisherigen Annahmen der Brüsseler Behörde.

Untersucht wurden die Abwässer der Anlagen Psyttalia bei Athen und Larissa. Psyttalia zählt zu den größten Kläranlagen Europas und reinigt das Abwasser von rund 5,6 Millionen Menschen. Larissa versorgt mit etwa 210.000 angeschlossenen Einwohnern ein Gebiet, das sowohl städtisch als auch landwirtschaftlich geprägt ist. Durchgeführt hat die Analyse das Labor für Analytische Chemie der National and Kapodistrian University of Athens. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der US-Fachzeitschrift „Environmental Science and Technology Letters“.

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Der zentrale Befund: Arzneimittel machen nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Belastung aus. In beiden Anlagen trugen sie lediglich rund sieben Prozent zur gesamten toxischen Last im gereinigten Abwasser bei. Als eigentliche Treiber des ökotoxikologischen Risikos identifizierten die Forschenden Reifenadditive und Pflanzenschutzmittel. Daneben fanden sich im Ablauf von Psyttalia erhebliche Mengen an Industriechemikalien, Tensiden, Kosmetika sowie PFAS.

Genau hier setzt die Kritik des Verbandes an. Die Europäische Kommission stützt ihre Lastenverteilung im Rahmen der Kommunalabwasserrichtlinie maßgeblich auf modellbasierte Annahmen, wonach Pharma und Kosmetik den Großteil der problematischen Stoffe verursachen sollen. Die griechischen Messungen kommen auf Basis echter Daten zu einem grundlegend anderen Ergebnis.

„Die Untersuchungsergebnisse einer der größten Kläranlagen Europas zeigen, dass Arzneimittel nur einen einstelligen prozentualen Anteil an der toxischen Gesamtlast im gereinigten Abwasser haben“, sagt Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender von Pharma Deutschland. Weil sich damit die bisherigen Annahmen der Kommission als falsch herausgestellt hätten, müsse die Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung sofort gestoppt werden. Eine neue Richtlinie, so Wieczorek, müsse „auf messbaren Fakten und nicht auf gefühltem Wissen basieren“.

Die Forderung richtet sich auch direkt an die Bundespolitik. Bundesumweltminister Carsten Schneider hatte erst vor wenigen Tagen einen nationalen Alleingang bei der Umsetzung ins Spiel gebracht. Nach Ansicht des Verbandes muss er nun umdenken. Zunächst gelte es zu klären, wer die toxischen Mikroschadstoffe im deutschen Abwasser tatsächlich einträgt.

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Dafür brauche es laut Pharma Deutschland keine jahrelange Forschung. Die in Griechenland verwendeten Messmethoden seien in der Umweltanalytik wissenschaftlich etabliert und lieferten in vergleichsweise kurzer Zeit belastbare Aussagen. Ein entsprechender Real-World-Check wäre auch hierzulande mit vertretbarem finanziellem Aufwand machbar. Statt weiter mit theoretischen Modellen zu arbeiten, brauche die politische Debatte endlich solide Messdaten aus Deutschland.

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