Der CAP Markt in Kirrberg wurde eröffnet - Bild: www.guldner.de / Markus Lutz

Bis auf die letzte Sekunde wurde Ware eingeräumt und alles auf Hochglanz gewienert. Der Eingangsbereich präsentierte sich einladend und farbenfroh. Und diese Woche war es dann endlich soweit: Der neue CAP-Markt in Kirrberg öffnete seine gläsernen Türen.

Die Eröffnungszeremonie fand in Zeiten von Corona zwar nicht mit allzu vielen Leuten statt, dafür war sie umso herzlicher. Die ersten Kunden erfreuten sich an einem Gewinnspiel und einem Weihnachtsstern, der als kleines Willkommensgeschenk verteilt wurde. Vor allem aber sind sie erleichtert, dass sie sich nach dem Rückzug des vormals ansässigen EDEKA -Marktes nun weiterhin wohnortnah mit frischen Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs versorgen können.

Doch der CAP-Markt in der Ortsstraße sichert nicht nur die Nahversorgung, er ist auch ein vortreffliches Praxis-Beispiel, wie Integration gelebt wird und man sich vom klassischen Schablonendenken verabschieden kann. Das Kürzel CAP steht für die Endung von „Handicap“ – zu Deutsch „Benachteiligung“. Denn in diesem Betrieb arbeiten Menschen mit Beeinträchtigung zusammen mit Fachkräften aus dem Einzelhandel. „Wir sind stets auf der Suche nach verschiedenen Möglichkeiten zur Etablierung von Integrationsarbeitsplätzen. Und mit dem Ladenlokal in Kirrberg sahen wir nach intensiver Prüfung eine gute Chance, einen weiteren CAP-Markt im Saarland zu eröffnen“, sagte Thomas Vogelgesang. Er ist neben Rüdiger Clemens einer der beiden Geschäftsführer der reha gmbh, die nun im Homburger Stadtteil ihren vierten Supermarkt dieser Art im Saarland betreiben.

Das Konzept ist ein ganzheitliches Integrationsprojekt, das Menschen mit Besonderheiten neue Türen und Tore öffnet. Es ist sozial angelegt – nicht nur für die Beschäftigten. Hier geht alles ein bisschen gemütlicher zu, aber dafür wird man freundlich und mit einer unglaublichen Hilfsbereitschaft bedient. Breite Gänge, niedrige Regale und helle, ansprechende Räume ermöglichen einen angenehmen Einkauf. Und große Preisschilder versprechen einen guten Überblick. Auf Wunsch stehen Mitarbeiter zur Beratung oder als Einpackhilfen zur Verfügung. Die Einkaufstüten werden sogar bis ans Auto gebracht. Unschlagbare Argumente – die man als Kunde schnell „cap-iert“.

In diesem Supermarkt findet man auf rund 400 Quadratmetern ein komplettes und abwechslungsreiches Vollsortiment, das keine Wünsche offenlässt. Dabei wird großer Wert daraufgelegt, dass auch regionale und besonders frische Waren angeboten werden. Insgesamt stehen mehr als 7.000 Artikel zur Auswahl. Dabei ist EDEKA der Hauptlieferant. Marktleiter ist der erfahrene Fachmann Heribert Brendel, der übergreifend für alle vier CAP-Märkte im Saarland zuständig ist.

Im CAP Markt – Bild: www.guldner.de / Markus Lutz

Marktwirtschaftlich betrachtet verbirgt sich hinter den CAP-Lebensmittelmärkten ein soziales Franchise-System mit gemeinsamem Einkauf, Logo, Marketing und Werbung. Das Konzept wurde vor rund 20 Jahren von der GDW Genossenschaft der Werkstätten für behindere Menschen Süd eG mit Sitz in Stuttgart ins Leben gerufen. Bundesweit gibt es weit über hundert Läden mit rund 1.555 Beschäftigten, davon 850 Mitarbeiter mit Handicap.

„Mit dieser Eröffnung in Kirrberg tragen wir dem Mehrbedarf an Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen Rechnung. Die Arbeitsplätze in einem solchen Geschäft entsprechen weitestgehend denjenigen des allgemeinen Arbeitsmarktes“, weiß Rüdiger Clemens. Der CAP-Markt versteht sich somit als Job-Chance. Hier durchlaufen die Menschen mit Beeinträchtigungen verschiedene Aufgabenfelder, die sie fordern und fördern.

Die hier erlernten Tätigkeiten eröffnen ein breites Feld, sich neu auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Dieses Konzept ist ein ideales Sprungbrett in den so genannten ersten Arbeitsmarkt. Auch sind die Möglichkeiten für eine Integration extrem günstig: Die Mitarbeiter haben täglich Kontakt mit Kunden und können beweisen, was sie leisten können. CAP-Märkte sind somit nicht nur wohnortnah, kundenfreundlich, serviceorientiert und preiswert – sie sind auch gesellschaftlich wertvoll.

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