Anzeige

Drei Länder, ein gemeinsames Ziel: Deutschland, Österreich und Luxemburg wollen den Aufbau einer europäischen Produktion für strombasiertes Flugbenzin deutlich beschleunigen. Herzstück ihres Vorhabens ist ein neuartiger Doppelauktionsmechanismus, der Hersteller und Abnehmer zusammenführt und dort staatlich einspringt, wo zwischen beiden Seiten noch eine Preislücke klafft. Insgesamt fließen bis zu 2,12 Milliarden Euro in das Programm.

Den Löwenanteil trägt Deutschland mit bis zu zwei Milliarden Euro, während Österreich und Luxemburg jeweils bis zu 60 Millionen Euro beisteuern. Die geförderten Mengen des sogenannten eSAF sollen später entsprechend dem eingebrachten Kapital in den drei Ländern in den Verkehr kommen. Damit gehen die Gründungsmitglieder der Ende 2025 gestarteten eSAF Early Movers‘ Coalition den nächsten konkreten Schritt.

Anzeige

Hinter dem sperrigen Kürzel eSAF verbirgt sich erneuerbares strombasiertes Kerosin, das aus grünem Wasserstoff und nachhaltigem Kohlenstoff gewonnen wird. Der Wasserstoff wiederum entsteht durch Elektrolyse mit Ökostrom. Gerade der Luftverkehr, allen voran die Langstrecke, wird auf absehbare Zeit auf flüssige Energieträger angewiesen bleiben – hier verspricht der Kraftstoff eine deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen, ohne dass bestehende Infrastruktur für Transport, Lagerung und Betankung ersetzt werden müsste.

Doch der Markt steckt in einer strukturellen Zwickmühle. Produzenten benötigen langfristige Abnahmeverträge, um die enormen Investitionen in neue Anlagen abzusichern. Fluggesellschaften und andere Abnehmer schließen ihre Verträge dagegen meist über deutlich kürzere Zeiträume ab. Genau diese zeitliche und wirtschaftliche Lücke hat den Bau neuer Produktionsstätten bislang ausgebremst. Der Doppelauktionsmechanismus soll sie schließen: In einem wettbewerblichen Verfahren werden Angebote der Hersteller und die Nachfrage der Abnehmer ermittelt, ein Intermediär gleicht die Preisdifferenz mit staatlichen Mitteln aus.

Anzeige

Für Bundesverkehrsminister Steffen Bilger geht es dabei um weit mehr als Klimapolitik. „eSAF ist für mich nicht nur eine Frage der Klimapolitik, sondern auch eine industriepolitische Chance“, betonte er. „Wenn wir jetzt investieren, können Wertschöpfung, Know-how und Arbeitsplätze in Europa entstehen.“ Zugleich stärke man die Unabhängigkeit bei Energie- und Lieferketten und mache die Luftfahrt Schritt für Schritt klimafreundlicher.

Ähnliche Töne kommen aus Wien. Österreichs Mobilitätsminister Peter Hanke sprach von einem „starken Signal für den Aufbau eines europäischen Marktes“. Man schaffe langfristige Perspektiven für Produzenten und verringere die Abhängigkeit von Importen aus Regionen außerhalb Europas. Aus Luxemburg unterstrich Wirtschaftsminister Lex Delles den Pioniergeist des Vorstoßes, während Mobilitätsministerin Yuriko Backes betonte, ihr Land stehe „entschlossen an der Seite Österreichs und Deutschlands“, um neue Produktionskapazitäten zu fördern.

Anzeige

Bevor das Geld fließen kann, steht noch eine Hürde im Weg: Das Programm bedarf der beihilferechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission. Erste Rückenwind gibt es allerdings schon. Das deutsche Bundesministerium für Verkehr hat eine begleitende Marktkonsultation abgeschlossen, die ein breites Interesse der Industrie an einem beschleunigten Hochlauf der Produktion bestätigt – und zugleich zeigt, wie dringend geeignete Förderinstrumente gebraucht werden, um die bestehenden Investitionshemmnisse zu überwinden.

💬 Was meinst du dazu?Dein Kommentar
Anzeige
Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein