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Fast jeder vierte Bundesbürger ist im Laufe seines Lebens mindestens einmal von Kniearthrose betroffen. Dennoch gibt es große Defizite bei der Behandlung. Die Folge: Bei jedem fünften Betroffenen scheitert der Gelenkerhalt, sodass ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss.

Das zeigt der aktuelle DAK-Versorgungsreport, für den 1,1 Millionen Versorgungsdaten ausgewertet wurden. Demnach findet häufig eine Knieoperation statt, ohne dass zuvor alle fachärztlichen oder physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Laut Report könnte jede Zehnte dieser Operationen durch eine bessere präventive Versorgung vermieden und ein Knieersatz um durchschnittlich sieben Jahre verzögert werden.

Knieschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Das zeigt der DAK-Versorgungsreport, für den das Berliner IGES-Institut die Versorgungsdaten von 1,1 Millionen Versicherten ausgewertet hat. Demnach ist fast jeder vierte Bundesbürger mindestens einmal in seinem Leben von Kniearthrose betroffen. Jedes Jahr erkrankt rund ein Prozent der DAK-Versicherten neu an Gonarthrose. Das sind etwa 55.000 Personen. Insgesamt scheitert im Laufe der Erkrankung bei jedem Fünften der Gelenkerhalt, sodass ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss. Durch eine bessere Versorgung wäre es laut Report jedoch möglich, 7,1 bis 11,5 Prozent dieser Operationen zu vermeiden und das Kniegelenk zu erhalten. „Knieprobleme sind weit verbreitet. Wir müssen nicht nur Risikofaktoren durch Prävention verringern, sondern auch die Therapiemöglichkeiten besser ausschöpfen“, sagt Andreas Storm, Vorsitzender des Vorstands der DAK-Gesundheit. „Der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks darf nur die letzte Option sein. Unser Report wirft die Frage auf, ob viele angesetzte Knie-Operationen überhaupt notwendig waren.“

Laut DAK-Versorgungsreport haben 15 Prozent der Versicherten im Jahr vor einem Kniegelenksersatz keinen Behandlungskontakt zu niedergelassenen Fachärzten für Orthopädie oder Unfallchirurgie. Für sieben Prozent der Betroffenen trifft dies auf die letzten fünf Jahre vor der Knie-OP zu. Bei mehr als jedem Zehnten (13,5 Prozent) wurde in den letzten fünf Jahren vor der Krankenhausaufnahme keine Röntgenuntersuchung des Knies im Rahmen der ambulanten Behandlung durchgeführt. Die Studie zeigt, dass fast die Hälfte der Betroffenen (43,3 Prozent) in den fünf Jahren vor ihrem Knieersatz keine Physiotherapie verordnet bekamen.

Insgesamt weist das Versorgungsgeschehen im zeitlichen Vorfeld einer Knieprothese auf einen Mangel an konservativen, nicht-medikamentösen Therapieoptionen hin. Die Befunde zeigen Defizite bei der Steuerung von Betroffenen in die fachärztliche Behandlung bei niedergelassenen Orthopäden und Unfallchirurgien. Sie stehen damit im Gegensatz zu den Empfehlungen der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), wonach vor der Durchführung von chirurgischen Verfahren eine Zweitmeinung bevorzugt durch nichtoperative Orthopäden eingeholt werden sollte.

Frauen sind insgesamt häufiger von einer symptomatischen Gonarthrose betroffen als Männer. Doch auch regional gibt es Unterschiede: So zeigt sich in den östlichen Bundesländern Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt eine überdurchschnittlich hohe Betroffenheit, während diese im Norden (Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen) sowie in Hessen besonders gering ist. Eine mögliche Ursache: die ebenfalls hohe Fallhäufigkeit von Adipositas in den neuen Bundesländern.

Denn unabhängig vom Geschlecht befindet sich in allen untersuchten Patientengruppen ein hoher Anteil von Betroffenen, die zeitgleich wegen Adipositas in ärztlicher Behandlung sind. Insbesondere in jungen Jahren stellt Adipositas ein Risikofaktor für eine Erkrankung und einen schweren Verlauf von Gonarthrose dar. Am deutlichsten zeigt sich dieser Zusammenhang in der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen: Über 60 Prozent derjenigen, die ein künstliches Kniegelenk eingesetzt bekommen haben, litten auch an krankhaftem Übergewicht. „Adipositas ist größter Risikofaktor“, sagt Thorsten Tisch vom IGES-Institut. „Deshalb sollte die Behandlung von Übergewicht einen viel höheren Stellenwert in der Versorgung von Gonarthrose einnehmen. Auch in der Prävention wäre ein stärkerer Fokus auf Adipositas hilfreich.“

Die DAK-Gesundheit fordert deshalb die bessere Ausschöpfung konservativer Therapieoptionen und bietet vor dem Hintergrund der Ergebnisse ihren Versicherten bereits jetzt die Möglichkeit einer orthopädischen Zweitmeinung an. Darüber hinaus können DAK-Versicherte an präventiven Kursangeboten wie Bewegungstraining oder einer Ernährungsberatung teilnehmen. Weitere Angebote rund um das Thema Kniegesundheit finden sich auf: www.dak.de/kniegesundheit

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